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DEUTSCHLAND - Baden Württemberg
Von Baden-Baden über den Schwarzwald an den Bodensee
Anfahrt: Das Weltbad Baden-Baden haben In- und Ausländer von jeher zu erreichen gewusst: von den alten Römern bis zu den Russen und Franzosen.Heute geht es sehr bequem: Im etwas außerhalb der Stadt gelegenen Bahnhof halten die Eurocity-Züge der Strecke Karlsruhe - Basel im Taktverkehr.
Stützpunkte: Zur Traumreise wird die hier beschriebene Schwarzwald- und Urwaldfahrt erst, wenn man die Naturschönheiten nicht Kilometer fressend durchjagt, sondern sich für den nördlichen Schwarzwald beispielsweise mit Stützpunkt Baden-Baden Zeit lässt und für den südlichen Schwarzwald mit Stützpunkt im Bereich Hinterzarten. Wer am Schluss noch etwas Zeit für Ludwigshafen und Überlingen am Bodensee hat, bekommt einen Vorgeschmack auf eine weitere Traumreise.
Schwarzwald
Der Schwarzwald ist schon lange kein Urwald mehr, aber doch ein Urerlebnis. Selbst mit dem Auto, zum Beispiel auf der Schwarzwaldhöhenstraße, sieht man sich oft von einem dichten "schwarzen" Wald umgeben, doch besser noch, man verlässt die Straße und dringt immer weiter in den Wald mit seinen Felsbrocken und wild wuchernden Farnen vor - bis zu einem der kleinen, klaren Bergseen, die nur den Fischen und den Libellen gehören. Wer das Glück hat, an einem Bach Quartier zu finden, der wird dieser Stimme gerne lauschen, auch wenn sie bis in seinen Schlaf hinein pausenlos weiter erzählt.
Über den Schwarzwald in den Urwald
"Eine herrliche Autofahrt" nennt Arianna Giachi die Schwarzwald-Hochstraße, "wo Wald und Heide, Fernsicht und Tannendunkel im raschen und großartigen Wechsel an einem vorüberziehen". Wer diese Naturstimmungen nicht mit so vielen anderen teilen möchte, dass nichts mehr davon übrig bleibt, der meide auf jeden Fall das Wochenende.
Baden-Baden
Baden-Baden war wegen seiner heißen Quellen schon in der Römerzeit ein beliebter Badeort, der mindestens einen römischen Kaiser bei sich gesehen hat. Baden-Baden rühmt sich, "die schönste Spielbank der Welt" zu besitzen. Das Interieur dieser Spielbank ist denselben unternehmerischen Franzosen zu verdanken, die im 19. Jahrhundert aus Baden-Baden La capitale d'ete (die Sommerhauptstadt Europas) gemacht haben. Etwas von dem Fluidum der Berühmtheiten aus der Welt der Aristokratie, der Musik und Literatur, die hier die Kontraste von lieblicher Naturkulisse und mondäner Geselligkeit gesucht haben, haftet der nicht kleinstädtischen kleinen Stadt noch heute an. Hier sollen die meisten deutschen Millionäre ansässig sein, und hier finden auch viele in- und ausländische Filmemacher die gewünschten Hintergründe. Dazu gehört auch die malerische Ruine vom Alten Schloss Hohenbaden, von der aus sich der schönste Weitblick über Stadt und Umgebung bietet.
Auf der Bühlerhöhe pflegte Kanzler Adenauer Kur zu machen und gelegentlich prominente Gäste zu empfangen. Auch heute noch ist dieses Hotel mit Sanatorium ein von Politikern vieler Länder geschätzter Aufenthaltsort und Treffpunkt. In tausend Meter Höhe am Südhang der Hornisgrinde liegt der ebenso kleine wie berühmte Mummelsee, einer der klaren Bergseen des Schwarzwaldes, die oft von Nebel verhangen und von Spukgestalten bevölkert sind.
Von der Wegegabelung bei Ruhestein sollte man den kurzen Abstecher zur Kirchenruine des einstigen Prämonstratenserklosters Allerheiligen nicht versäumen. Es ist eine jener wenigen Ruinen, die durch Wiederaufbau an Ausdruckskraft verlieren würden. Hohe Pfeiler und spitze Bögen, die nichts mehr tragen als den Himmel über den dichten Wäldern - sie trügen weniger, wenn sich wieder ein Kirchendach darüber spannte.
Die Höhen des Kniebis ragen nur wenig aus den umgebenden weiten Wäldern heraus: aber gerade dadurch wurde dieser Berg zu einer Stätte der Stille, des Entrückt seins, der Meditation. Von der Alexanderschanze führt eine Straße mit vielen Kehren elegant ins Renchtal zu dem kleinen Bad Griesbach hinab, das dem aus dem Ruhrgebiet stammenden Verfasser im elften Lebensjahr wie ein Stück Paradies erschien. Das Renchtal, Geburtsstätte des Dichters Grimmeishausen und eine der Lieblingslandschaften von Rainer Maria Rilke, wird von Straße und Eisenbahn bis nach Oberkirch begleitet. Anstatt über Kehl nach Straßburg weiterzufahren - was natürlich auch ein Höhepunkt der Fahrt sein könnte -, nehmen wir die Autobahn-Ausfahrt Appenweier in Richtung Offenburg.
Übrigens: Die Bäder Griesbach und Peterstal sind heute noch fast dieselben mittelalterlichen Dörfer, die Matthäus Merian in Kupferstichen festgehalten hat. In Oberkirch besichtigen wir die Ruine der Schauenburg, auf der Grimmeishausen Burgvogt und - Gastwirt war.
Doch, wie gesagt, nach der Hochstraße und der Talstraße soll von Appenweier aus ein Stück Autobahn folgen. Aber schon nach höchstens halbstündiger Fahrt nehmen wir die Abfahrt bei Ettenheim, fahren durch die Dörfer Grafenhausen und Koppel in Richtung Rheinfähre und biegen vor dem Hochwasserdamm nach links ab, um dort das Auto zu parken. Hier sind wir bald mitten im 37 Quadratkilometer großen Urwald Taubergießen. In diesem stillen, vom Klima begünstigten Winkel ist der Urwald tatsächlich wieder perfekt: ein fast undurchdringliches Dickicht, Lianen, die wie Taue von den Baumriesen herabhängen, feuchtschwüle Luft, Sümpfe, etwa sechzehn Orchideenarten, seltene Tiere an Sumpf und Teich. Der Urwald ist so echt, dass schon mancher Fernsehfilm aus Südamerika mit Aufnahmen aus Taubergießen ergänzt wurde. In Europa ist es auch zum Amazonas nicht weit!
Beim Kurhaus von Baden-Baden mit der Säulenhalle von Weinbrennertreffen sich Kurgäste aus aller Welt. Bei Baden-Baden beginnt die Schwarzwaldhöhenstraße.
Abseits der Schwarzwaldhöhenstraße liegt die Kirchenruine des Klosters Allerheiligen, die mit den dichten Wäldern ringsum zu einer Stätte der Stille und Andacht verschmolzen ist.
Über den südlichen Schwarzwald zum Bodensee
Doch da nur leidenschaftliche Biologen den Ehrgeiz haben, im Urwald mit Zelt und Schlafsack zu verweilen, nehmen wir bei Ettenheim wieder die Autobahn, und zwar in Richtung Freiburg-Lehen und fahren von dort aus gleich mitten ins Herz der Schwarzwaldhauptstadt. Der Turm des Freiburger Münsters wird als der"schönste Turm der Christenheit" bezeichnet. Die fließend nach oben strebenden Linien finden ihren Höhepunkt in dem durchscheinenden Steinfiligran der Helmpyramide. Vorbild für die gotischen Plastiken am Hauptportal waren die Kathedralen von Straßburg und Reims. Im Giebelfeld über dem Portal ist an ihnen die ganze Lebensgeschichte Christi abzulesen. Farbenprächtig sind die alten Glasfenster der Seitenschiffe und der Hochaltar von Hans Baidung Grien (1516).
Den Rundblick vom Turm auf die alten Gassen und die bewaldeten Höhen sollte man auf keinen Fall versäumen, aber auch nicht die Seilbahnfahrt auf den Schlossberg, von wo aus sich Stadt und Münster als harmonische Gesamtschau darbieten.
Auf der Schwarzwaldstraße ostwärts erreicht man die altrömische Reisestation Tarodunum, aus der im Deutschen der Ortsname Zarten wurde. Die herbe Schönheit des Höllentals wird nicht nur durch die Straße erschlossen, auf der die österreichische Erzherzogin Marie Antoinette als Ludwigs VI. Braut nach Frankreich und damit letzten Endes in ihr Verderben fuhr, sondern auch durch die Höllentalbahn mit ihren Kehren und Schleifen.
Auf dem Hirschsprungfelsen steht hart am Abhang ein eherner Hirsch. Später führt die Straße in Windungen den Höllensteig hinauf zum Luftkurort und Wintersportplatz Hinterzarten (885 m), der nach Baden-Baden als zweiter Stütz- und Haltepunkt dieser Traumreise dienen sollte. Hinterzarten liegt 3 Kilometer von dem leider allzu beliebten Titisee entfernt. Der Ort wurde schon zweimal als schönster Kurort Baden-Württembergs ausgezeichnet.
Am Titisee gibt es einen angesehenen Höhenluftkurortgleichen Namens. Wie alle Schwarzwaldseen ist der 2 Kilometer lange Titisee ein altes Gletscherbett der letzten Eiszeit. Das nahe gelegene Neustadt im Schwarzwald ist der dritte der bekannten um den Titisee gescharten Kurorte. Steile Auffahrten erschließen die 931 Meter hohe Hochfläche und den 1192 Meter hohen Hochfirst. Einen Abstecher wert ist die Rötenbachschlucht bei Rötenbach. Zu Wanderungen verlocken auch die Gauchachschlucht und die Wutachschlucht bei Döggingen.
Donaueschingen
Donaueschingen ist durch die Donauquelle, die zusammen mit "Brigach und Breg die Donau zu weg" bringt, international bekannt. Aber nicht nur dadurch: Das Schloss der Fürsten zu Fürstenberg, das seine endgültige Gestalt 1893 bekam, liegt in einem ausgedehnten fürstlichen Park. Die Barockgebäude des Hofarchivs und der Hofbibliothek enthalten kostbare Schätze, so vor allem den um 1220 niedergeschriebenen Codex C des Nibelungenliedes. Mit einer kühnen, zwölf Zeilen hohen Initiale hebt die mächtige Dichtung an, in der auch die Ströme Rhein und Donau eine große Rolle spielen: "Uns ist in alten maeren Wunders vil geseit von heleden lobebaeren von grozer arebeit..." "Arbeit" als Synonym für Kampf, ist das nicht auch heute noch sinnvoll? Doch unsere Traumreise soll ja nicht in "arebeit" ausarten. Deshalb steuern wir nun geradewegs den Bodensee an-. Geisingen, dann das Berggasthaus Hegaublick (805 m), von wo aus man den Hegau, "des Herrgotts Kegelspiel" überblicken kann - in der Landschaft verstreute Vulkanklötze mit sagenumwobenen Burgruinen darauf. Engen hat eine Reihe von Sehenswürdigkeiten, so ein Schlösschen und ein Rathaus aus dem 16. Jahrhundert und an der Pfarrkirche ein spätromanisches Tympanon.
Bei Aach verdient die Aachquelle Beachtung, zeugt sie doch von einer frühen unterschwelligen Beziehung zwischen Donau und Rhein: Die einzelnen Tropfen dieser als reißender Bach hervorbrechenden Quelle haben eine 60 Stunden währende unterirdische Reise von dem 12 Kilometer nördlich gelegenen Immendingen hinter sich, sind abgesickertes Donauwasser und fließen durch den Untersee dem Rhein zu!
Über Stockach geht es weiter bis nach Ludwigshafen - und damit ist der Bodensee erreicht, das heißt zunächst ein schmaler, von Bergen eingefasster Teil, der einem norwegischen Fjorde ähnlich sieht: der Überlinger See. Wer sich da eine erste schöne Übersicht verschaffen möchte, macht einen Umweg über den Haldenhof (633 m) nach Überlingen, oder verbringt auf diesem Gasthof einige Tage und Nächte, um von einer Reise, reich an Eindrücken, auszuspannen, anstatt sich gleich wieder in das Touristengetümmel der allzu berühmten Bodenseestädte zu stürzen.
"Der schönste Turm der Christenheit" wurde der Turm des Freiburger Münsters genannt, dessen Steinfiligran nachts durch Scheinwerfer aus dem Dunkel des Häusermeeres herausgehoben wird. Der (hier im Dunkeln liegende) Chor erinnert mit seinem Kapellenkranz an den Veitsdom in Prag.
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