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DEUTSCHLAND - Bayern



Bayern vom Main bis zum Königssee

Anfahrt Aschaffenburg, der Ausgangspunkt dieser Reise, liegt in unmittelbarer Nähe von Frankfurt am Main mit seinem gigantischen und noch auf Zuwachs gebauten Weltflughafen. Frankfurt ist ein Kreuzungspunkt zahlreicher Eisenbahn- und Autobahnlinien. Stützpunkte Alle Stützpunkte dieser Reise liegen an Gewässern, deren Name längst einen poetischen Klang hat: Würzburg am Main, Regensburg an der Donau, München an der Isar und Berchtesgaden in der Nähe des Königssees.

Damit ist schon angedeutet, dass diese Haltepunkte nicht nur wegen kultureller Kostbarkeiten zum Verweilen einladen, sondern auch wegen ihrer bevorzugten Lage.

Paris sei Frankreich - sagt man. Ist aber auch München Bayern? Wer, vom Ausland kommend, direkt nach München fliegt, mag diesen Eindruck gewinnen. Wer dagegen vom Nordwestzipfel Bayerns aus, von Aschaffenburg, zum Südostzipfel, nach Berchtesgaden, fährt, wird anderer Meinung sein. Er wird ein vielschichtiges Bild von Bayern gewinnen, in dem die Lieblichkeit der Flusstäler neben der Herbheit des Königssees steht, die Grandezza der Würzburger Residenz neben der schützenden Enge alter Kleinstädte, die edle Klarheit der Bocksbeutel-Weine neben der schäumenden Trübe des Weißbiers. Bayern hat viele liebenswerte Seiten, und die Menschen sind toleranter, als sie sich geben: Sie haben dem eisernen Preußen Bismarck Denkmäler gesetzt.


Von Aschaffenburg bis Regensburg

Der Main ist ein genießerischer Fluss, der zahlreiche Windungen macht, um möglichst viel vom beschwingten Frankenland, von den bayerischen Regierungsbezirken Unter- und Oberfranken, mitzubekommen. Zwischen Aschaffenburg und Lohr schlängelt ersieh um den Spessart, der schon im Nibelungenlied besungen wurde. Aber auch andere bekannte Dichter hat uns das Frankenland schon früh geschenkt: Wolfram von Eschenbach (1170 bis 1220), Walther von der Vogelweide (1170-1230), Hans Sachs (1494-1576). Sichtbarer für den Reisenden ist die Poesie, die in den Bildern Albrecht Dürers (1471-1528) und in den Schnitzwerken und Steinplastiken Tilman Riemenschneiders (1460 bis 1531) lebt.

Schloss Johannisburg, das in Aschaffenburg souverän die Mainlandschaft beherrscht, war einst die zweite Residenz der Kurfürsten und Erzbischöfe von Mainz. Der Straßburger Festungsbaumeister Georg Riedinger hat zwischen 1605 und 1614 um den mittelalterlichen Bergfried herum das repräsentative Renaissanceschloss mit vier quadratischen Türmen errichtet. In den Nordflügel eingebaut ist die Schlosskirche. Das Schloss enthält einen ansehnlichen Teil der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen.

Früher vermutete man, dass im Garten das Gespenst eines erschlagenen Kellermeisters umgehe. Es ist ja auch schon ein starkes Stück, wenn ein Kirchenfürst Anfang des 16. Jahrhunderts einen Kellermeister erschlug, weil erein paar Flaschen zu nächtlicher Stunde klauen wollte. Friedrich der Große hat zwar auch gelegentlich mit dem Krückstock zugeschlagen, aber gleich mit einem "Büttnerschlägel" wie der fromme Erzbischof? Immerhin hätte er wissen müssen, dass es einer Seele nicht bekömmlich ist, wenn sie "in ihren Sünden dahinfährt". Mitten in ihren Sünden wurden auch die Pompejaner vom Ausbruch des Vesuvs überrascht. Darin erinnert das Pompejanum im Schloßpark, das nach dem Vorbild des in Pompeji ausgegrabenen römischen Wohnhauses des Castor und Pollux von 1840 bis 1848 aufgebaut wurde.

Obwohl die Autobahnstrecke zwischen Aschaffenburg und Würzburg durch den Spessart zu den schönsten Autostrecken überhaupt gehört, bietet die Landstraße doch noch etwas mehr: vor allem den Abstecher von Hessenthal zum Wasserschloss Mespelbrunn (15. Jahrhundert), das mit einem hohen runden Turm gar trutzig aus dem Weiher herausragt und vom Wald so nah umstanden ist wie ein Dornröschenschloß. In Rohrbrunn ist das düstere Wirtshaus im Spessart aus der Geschichte von Wilhelm Hauff einem modernen Rasthaus im Spessart gewichen - in England stünde es noch in fünfhundert Jahren.

Unterhalb der Festung Marienberg erreicht die Straße Würzburg, dessen Altstadt wie ein kunstgeschichtliches Bilderbuch jenseits des Mains aufgeschlagen ist. Doch wird man den Blick in dieses im Zweiten Weltkrieg an manchen Stellen zerfetzte Bilderbuch besser begreifen, wenn man sich erst einmal der Feste Marienberg zuwendet. Vom 13. bis ins 18. Jahrhundert war die Zitadelle auf dem Marienberg Sitz der Fürstbischöfe. In ihrem Kern liegen mittelalterliche Bauten: Marienkapelle, Bergfried, Rundturm, Sonnenturm und Ringmauer. In den Bauernkriegen wurde die Feste vergebens bestürmt - obwohl ein lautstarker Herr von Berlichingen an der Sache beteiligt war. Der Bildhauer und Ratsherr Tilman Riemenschneider saß hier zeitweise in Haft - jetzt werden einige seiner Meisterwerke hier bewundert.

Drüben, jenseits des Mains, steht die Würzburger Residenz, die 1744 von Balthasar Neumann vollendet wurde. An Monumentalität kann sie es aufnehmen mit den Zarenschlössern bei St. Petersburg oder dem Schloss von Versailles. Das Deckengemälde im Treppenhaus, auf dem Tiepolo rings um Apoll und die Olympischen die Erdteile gruppierte, ist mit 30 mal l 8 Metern Umfang das größte jemals gemalte Fresko.

Unter den Kirchen dominiert natürlich der Dom St. Kilian (1188). Hier stehen die Farben des Materials in angenehmem Kontrast zur Monumentalität des Gesamtbaus: Die Osttürme sind im oberen Teil abwechselnd aus rotem und grünem Sandgebaut, die barocke Begräbniskapelle aus gelbem Mainmit einer kupfergrünen Kuppel. Die Bischofsgrabmäler setzen das Figurenspiel fort, das bereits auf der alten Brücke mit den zwölf Heiligen beginnt. Wieder ist Tilman Riemenschneider der Vollender der herausragenden Plastiken. Auch im Neumünfinden sich wichtige Werke von seiner Hand.

Das Juliusspital (1576) war eine frühe soziale Einrichtung der Stadt. Jetzt kennt man es vorwiegend wegen seines berühmWeinkellers - und man weiß ja, daß die Frankenweine in ihren bauchigen Bocksbeutel-Flaschen nicht nur von Goethe über alle anderen Weine gestellt wurden.

Wer sich diesem Juwel einer Stadt widmet, wird auch noch die Schönheit vieler Bürger-Bauten entdecken: das Rathaus und vor allem auch das Rokokohaus zum Falken, das mit feinem Stilühl restauriert wurde.


Deutschland - Bayern - Wasserschloß Mespelbrunn
Deutschland - Bayern -Würzburg - Alte Mainbrücke

Ein Dornröschenschlaf scheint besonders im Winter über dem Wasserschloß Mespelbrunn zu liegen. Das Schloß birgt im Innern Gobelins und andere Kostbarkeiten.

Würzburgs Alte Mainbrücke entstand zwischen 1473 und 1543, als technisches und künstlerisches Meisterwerk bewundert.

Deutschland - Bayern -Würzburg - Weinfässer im Fürstenpavillon des Würzburger Juliusspitals

Im wiederhergestellten Fürstenpavillon des Würzburger Juliusspitals kann eine Apotheke aus dem 18. Jahrhundert besichtigt werden. Doch die beste Medizin verbirgt sich in den Kellergewölben hinter den mit köstlichem Schnitzwerk verzierten Weinfässern.


Bocksbeutelstraße - Deutschland - Bayern

Um nach Nürnberg weiterzufahren, dazu gibt es zwei Alternativen: die Autobahn oder die Landstraße. Für Traumreisende kommt aber zunächst nur eines in Frage: der 15-Kilometer-Umweg am Main entlang bis Kitzingen - die weinselige Bocksbeutelstraße!


Randersacker - Deutschland - Bayern

Wie sollte man sie sonst kennen lernen: den altertümlichen Weinort Randersacker, die noch mit Mauern und Tortürmen umgebenen Städtchen Eibelstadt und Sommerhausen (mit seinem Torturmtheater, dem kleinsten Theater der Bundesrepublik mit nur 30 Zuschauerplätzen), Ochsenfurt mit seinem stattlichen Rathaus, Bürgerhäusern aus dem 14. bis 16. Jahrhundert und seinen gotischen Kirchen!


Kitzingen - Deutschland - Bayern

Bei Kitzingen ist dieser Umweg zu Ende, und Kitzingen fasst noch einmal das Bild der besuchten Märchenstädte zusammen: die Weinhäuser, die Tortürme, das Rathaus (1563), die Kirche St. Johannis (15. Jahrhundert), die evangelische Pfarrkirche (1699). Bei der Weiterfahrt nach Neustadt an der Aisch geht es durch die lieblichen Täler des Werbachs und des Bibartbaches, vorbei an dem Renaissanceschloß Schwarzenberg, einem Mädcheninternat. Ausländern sei es gestanden: Dieses Neustadt ist nur eine von 27 deutschen "Neustädten", ein "Müller", "Meier" oder "Schäfer" unter den Städten, aber doch ansehnlich, ein Stück deutsches Mittelalter.


Langenzenn - Deutschland - Bayern

Ein noch bedeutsameres Stück aus spätgotischer Zeit enthält der nächste Ort: Langenzenn. Hier wäre achtloses Durchfahren eine Sünde. Stellen Sie das Auto vor dem Wirtshaus ab und begeben Sie sich in den Schatten des Kreuzganges vom Augustinerchorherrenstift, aber auch in die Pfarrkirche mit einem Steinrelief von Veit Stoß und vielen schönen Altären!


Nürnberg - Deutschland - Bayern

Über die Industriestadt Fürth geht es hinein in das nicht erst seit Richard Wagners "Meistersingern" berühmte Nürnberg.

Es ist kein Nachteil, wenn man in dieser zweitgrößten Stadt Bayerns abends ankommt. Denn dann ist die 19 Meter hohe Sandsteinpyramide des "Schönen Brunnens" (1396) von allen Seiten angestrahlt, und es dominiert auf dem Hauptmarkt vor der Frauenkirche nicht mehr die tägliche Hektik, sondern man kann Zwiesprache halten mit sieben Kurfürsten, etlichen biblischen Helden, mit Kirchenvätern und Evangelisten.

Auch vor der St.- Lorenzkirche (13. bis 15. Jahrhundert) jenseits der Pegnitz steht ein beachtenswerter Brunnen, der allerdings zweihundert Jahre jünger ist: der Tugendbrunnen (1589). Aus ihren Brüsten sprühen die Frauengestalten der Tugenden dünne Wasserstrahlen kreuz und quer in das Becken. St. Lorenz- wer vergäße jemals den Engelsgruß von Veit Stoß (1518), der da wie eine Vision vom Gewölbe herabkommt? Wer bewundert nicht das Sakramentshäuschen (1496) von Adam Kraft? St. Sebaldus (1273) gegenüber dem Rathaus zeigt in seinem Westteil noch die erdgebundenen Formen der späten Romanik und steht in eindrucksvollem Gegensatz zur lichten Helle im Osten. Berühmt sind das Sebaldusgrab von Peter Vischer und seinen Söhnen (Ende 14. Jahrhundert) und das Schreyersche Grabmal von Adam Kraft (1492).

Die Nürnberger Burg, die von Kaisern und Königen besonders häufig besucht wurde, hat stets in einem "kalten Krieg" mit der aktiven Nürnberger Bürgerschaft gestanden. Durch Gitter, Mauern und einen hohen Wachturm hatten sie die Burg allmählich derart isoliert, dass die Burggrafen sich wie Gefangene vorkommen mussten.


Neumarkt - Deutschland - Bayern

Schönheitsfanatikern bietet sich der Umweg über Regensburg, bevor sie nach München weiterfahren. Vor Neumarkt erreicht die Straße den bewaldeten Ginsberg, der einen schönen Ausblick bietet. Neumarkt in der Oberpfalz hat eine gotische und eine barocke Hofkirche und ein pfalzgräfliches Schloss aus dem 16. Jahrhundert. Durch eine Reihe weiterer anheimelnder Ortschaften geht es weiter bis zur Mündung der Naab in die Donau und im Donautal bis Regensburg.

Deutschland - Bayern - Frauenkirche am Nürnberger Hauptmarkt 19 Meter hohe Sandsteinpyramide des "Schönen Brunnens"  Moses und die Propheten

Vor der Frauenkirche am Nürnberger Hauptmarkt erhebt sich die 19 Meter hohe Sandsteinpyramide des "Schönen Brunnens". Über dem kunstvollen, schmiedeeisernen Gitter sind die Figuren heidnischer, jüdischer und christlicher Helden zu erkennen, ganz oben Moses und die Propheten (Bild links).

Regensburg - Deutschland - Bayern

Für Regensburg haben wir Quartier bestellt, um uns Zeit zu lassen für die alte Reichsstadt, die noch erstaunlich viel von zwei Jahrtausenden ihrer Geschichte bewahrt hat. Ein Blick von der Steinernen Brücke aus dem 12. Jahrhundert umfasst zunächst einmal das Bild der altehrwürdigen Stadt. Von da ist es nicht weit bis zum Dom St. Peter mit seinen zwei 105 Meter hohen Türmen, die wie der Kölner Dom erst im 19. Jahrhundert vollendet wurden. Das Innere des um 1250 begonnenen Domes ist mit berühmten Altären und Grabmälern ausgestattet. Alte Fenster werfen ein magisches Licht. Unter den vielen architektonischen Schätzen der Stadt sind hervorzuheben-, die Reste der römischen Porta Praeto-ria, die Alte Kapelle (1002), das Alte Ratshaus mit dem Reichssaal, in dem von 1663 bis 1806 die Sitzungen des Reichstages stattfanden, und das ehemalige Benediktinerstift St. Emmeram (seit dem 7. Jahrhundert) mit dem von den Brüdern Asam barock ausgestatteten Innern (1733).

Wäre das nächste Ziel nicht München - der Abschied müsste sehr schwer fallen. So aber übt die Landeshauptstadt bereits einen gewissen Sog aus. Deshalb wird man sich beeilen, über Neustadt an der Donau, eine Autobahnauffahrt bei Ingolstadt und über die hopfenreiche Holledau und die bogenreiche Holledaubrücke sich der Hauptstadt zu nähern und schließlich zwischen dem Garchinger Forschungsreaktor und den Schleißheimer Schlössern hindurch München zu erreichen.



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