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DEUTSCHLAND - Bodensee



Drei Länder treffen sich am Bodensee

DEUTSCHLAND - Bodensee - Anfahrt: Für die Bundesrepublik Deutschland wurde bereits eine Anfahrt geschildert, die von Baden-Baden durch den Schwarzwald bis zum Überlinger See führt. Viele kommen aber auch über die Deutsche Alpenstraße, die man von München aus bei Oberau erreicht. Österreicher, die von Innsbruck kommen, steuern auf der Bregenzerwaldstraße Bregenz an; Schweizer haben eine direkte Straße von Zürich über Winterthur nach Kreuzungen und Konstanz.


DEUTSCHLAND - Bodensee - Stützpunkte: Es gibt wohl kaum einen Ort rund um den See, der sich nicht als Stützpunkt für viele Exkursionen eignete. Wir wählen als Beispiel einen kleinen, ruhigen Ort mit besonders schönem Blick auf den fjordartigen Überlinger See: Unteruhldingen.

Wenn es einen Grund gäbe, den Bodensee nicht als Traumreise-Ziel zu wählen, so nur den einen, dass viele von einer solchen Reise träumen. Aber das lässt sich steuern: wenn man sich in einem der kleineren, ruhigeren Orte einquartiert und an den Wochenenden Ausflüge nach den größeren Städten und allzu bekannten Zielen meidet.

Seen sind so interessant, wie es ihre Ufer sind. Rund um den Bodensee gibt es viele Kontraste: die Vulkankegel des Hegaus und die fruchtbaren Hügellandschaften des schweizerischen Thurgaus, die Voralpengebiete des Allgäus und des Bregenzer Waldes und die schroffen Felsen der Säntisgruppe, und man blickt bis zu den Schneegipfeln der Silvretta. Der Bodensee hat neben vielen Städten mit historischen Bauten seine traditionsreiche Klosterinsel, die Reichenau, und seine "subtropische" Blumeninsel, die Mainau, und bei Bregenz im österreichischen seinen alles überschauenden Aussichtsberg, den Pfänder (1064 m).


Zehn Ausflüge am Bodensee

1. Die Mainau - DEUTSCHLAND - Bodensee

Ich weiß nicht mehr, wie ich zu der Ehre kam: Eines Tages schickte mir der Herr der Mainau, Graf Lennart Bernadotte, sein Büchlein "Gartenwunder am Reisewege", und so bin ich in der Lage, mich an den Angaben des großen Gartenkünstlers selbst zu orientieren. Über die Erreichbarkeit seiner Blumeninsel schreibt er: "per Schiff von allen Orten des Bodensees" - von Unteruhldingen ist es nur ein Katzensprung.
Nach der Ankunft auf der Insel ist der Besucher zunächst von der Blumenfülle überwältigt, die in diesem milden Klima gedeiht: im Frühjahr Tulpen und Narzissen, später Schwertlilien und schließlich ein Meer von Rosen, im Herbst dann die Farbenpracht der Dahlien. Aber die eigentlichen Pflanzenwunder sind die Bäume aus aller Welt, die sich seit den Zeiten Friedrichs I. von Baden (1853) hier zusammengefunden haben: Zedern aus dem Libanon, Atlas- und Himalaja-Gebirge, spanische Tannen und Ajanfichten aus Sibirien, japanischer Bambus neben österreichiSchwarzkiefern, ostasiatische Kaiserbäume neben Mamaus Kalifornien.
Übernachten können Besucher -zum Glück- auf der Insel nicht. Doch die »Schwedenschänke« bietet eine Gastlichkeit, die dieser Umgebung würdig ist: schwedische Spezialitäten und erlesene Weine, zuweilen vom Grafen selber kredenzt. Das Barockschloß mit dem weißen Rokokosaal und die Kirche mit ihrem Rokoko-Innenraum wurden von 1735 bis 1746 im Auftrage des Deutschen Ritterordens gebaut. Durch Erbschaft fielen Insel und Schloss 1928 an das schwedische Königshaus.


DEUTSCHLAND - Bodensee: Insel Mainau Schloss mit Blumenbeet

DEUTSCHLAND - Bodensee: Die Insel Mainau, seit 1928 im Besitz des schwedischen Königshauses, ist ein Paradies der Blumen, Palmen und exotischen Bäume. Schlosskirche und Schloss entstanden um 1740.

2. Überlingen und der Bodanrück - DEUTSCHLAND - Bodensee

Über die Wallfahrtskirche Birnau (1750), ein Juwel der Barockarchitektur, führt die Straße nach Überlingen. Die ehemalige Freie Reichsstadt hat viel von ihrem mittelalterlichen Gepräge bewahrt; sie ist jetzt ein beliebter Luft- und Kneippkurort. Das fünfschiffige Nikolausmünster (1350-1568) birgt in seinem Innern eine Reihe hoch bedeutender Schätze: den hohen, geschnitzten Altar von Jörg Zürn (1613-1619), das Sakramentshäuschen, den Marienaltar von Zürn, die Ölbergkapelle mit der überlebensgroßen Christusfigur. Das Rathaus (1490) ist vor allem wegen der Holzschnitzereien von Jakob Ruß, 40 Statuetten der Reichsstände, im Rathaussaal bekannt. Ein Mauerring mit Graben und Türmen umgibt die Altstadt.
Auch Ludwigshafen - nicht zu verwechseln mit der Industriestadt bei Mannheim -- ist ein Luftkur- und Badeort mit Komfort. Von hier aus erreicht man auf der Uferstraße den anderen Teil der zusammen gefassten Gemeinde: Bodman, eine der ältesten Siedlungen dieses Raumes, die dem See den Namen gegeben hat. Nach Besichtigung des Schlossparks und der Pfarrkirche (18. Jahrhundert) empfiehlt sich eine Zwei-Stunden-Wanderung über die bewaldeten Höhen des Bodanrück zur Ruine Kargegg und zur Marienschlucht, durch die man den Bootsanleger zur Rückfahrt nach Unteruhldingen erreicht.

3. Von Konstanz bis nach Radolfzeil-Mettnau - DEUTSCHLAND - Bodensee

Nach kurzer Schiffsfahrt quer über den See legt das Schiff in Konstanz an. Den Namen der alten Universitätsstadt verbindet, wer in der Schule aufgepasst hat, mit dem Konstanzer Konzil (1414 bis 1418), der "glänzendsten Kirchenversammlung des Mittelalters", und noch heute trägt das große alte Kaufhaus (1388) den Namen Konzil, weil dort die Papstwahl stattfand.

Ein stilreiner Renaissancebau ist das Rathaus (1594), in dessen Hof Serenadenkonzerte stattfinden. Bei einem Rundgang durch die Altstadt sollte man vor allem die Wessenbergstraße und den alten Fischmarkt mit seinen gotischen Häusern besuchen. Auf der höchsten Erhebung der Stadt liegt das Münster Unserer Lieben Frau, dessen Baugeschichte von 615 bis 1923 reicht. Die romanische Baukonzeption bestimmt im Innern den Gesamteindruck, obwohl später viele gotische und barocke Elemente hinzugekommen sind. Unter den bemerkenswerten Grabplatten ist vor den Stufen des Chors die für den Erzbischof von Salisbury, der während des Konzils verstarb. Ein seltener Einbau ist der Schnegg, ein offener, reich dekorierter Turm mit einer Wendeltreppe, die zum Gewölbe hinaufführt (1438). Die Kirche und ihre Schätze, die vielen Kapellen und die berühmte Krypta - all das könnte Bände füllen.

Ein würdiger Ort zum Rasten nach vielen historischen Eindrücken ist das Insel-Hotel auf der früheren Dominikanerinsel. Es hat einen frühgotischen Kreuzgang. Wer diesen Ausflug noch zum Bodanrück ausdehnen möchte, kann in Allensbach das Renaissanceschloss und jetzige Kloster Hegne betrachten, in Markelfingen eine Wasserburg besuchen und schließlich in Radolfzell-Mettnau im Liebfrauenmünster (1466) verweilen und das prächtige Ritterschaftshaus bewundern. Das Naturschutzgebiet der Halbinsel Mettnau lädt zu geruhsamem Verweilen ein.

4. Inselrundgang auf der Reichenau - DEUTSCHLAND - Bodensee

Die Insel Reichenau, deren Klöster um das Jahr 1000 ein Zentrum abendländischer Kultur waren, ist von Konstanz aus über einen Damm zu erreichen. Von diesem Damm aus kann man die Insel mit ihren Naturschönheiten und Kunstschätzen in einem dreistündigen Rundgang erkunden. Burg Schöpften wurde 1366 von Konstanzer Bürgern eigenhändig ruiniert, weil der Abt einen auf diesem seinem Gebiet erwischten Konstanzer Fischer hatte blenden lassen. Aus einer Mönchszelle entstand die St.-Georgs-Kirche in Oberzell mit bedeutsamen Wandmalereien aus dem 10.Jahrhundert. Auf dem Hochwart (439 m), dem höchsten Punkt der Reichenau, bietet sich ein Rundblick und eine schöne Aussicht auf das Schweizer Ufer.

Über Mittelzell mit seinem Fachwerk-Rathaus kommt man zum Münster St. Maria und St. Marcus, das auf ein 724 gegründetes Benediktinerkloster zurückgeht. Um das Jahr 1000 war das Kloster wegen seiner Buchmalereien berühmt. Das Münster hat romanische und gotische Bauelemente und einen reichen Kirchenschatz.

Am Nordwestende der Insel liegt in Niederzell die Stiftskirche St. Peter und Paul, deren Ostteil wahrscheinlich aus karolingischer Zeit stammt. Dennoch befremdet nicht die Rokoko-Ausstattung des Innenraumes. Die seit 1900 freigelegten Fresken im Chor betonen im Kontrast zum Formenspiel des Rokoko die künstlerische Spannweite dieses Kirchenbaus. Nahe bei der Kirche liegt Schloss Windeck, der frühere Sommersitz der Äbte. Wie die Mainau ist auch diese Insel vom Klima begünstigt. Nur findet man hier statt Blumen Gemüsekulturen und statt exotischer Bäume einen viel versprechenden Weinbau.

5. Ausflug zum Schweizer Ufer des Untersees - DEUTSCHLAND - Bodensee

Wenn man auf Konstanz zufährt, kann man kaum feststellen, wo Konstanz aufhört und wo das schweizerische Kreuzungen beginnt. Kreuzungen hat eine berühmte Barockkirche - aus dem Jahre 1963: Denn da wurde die durch Brand zerstörte Basilika St. Ulrich stilgerecht wiederaufgebaut. Das Schnitzwerk der Kreuzlinger Passion besteht aus 300 Figuren! Auch Schloss Seeburg mit Park und Tiergehege sollte man gesehen haben.

Ermatingen gegenüber der Reichenau hat fast so viele Schlösser wie Fischerhäuser: Arenenberg, Wolfsberg, GottlieSalenstein, Ulmberg, Eugensberg. Schloß Arenenberg war einer der Wohnsitze von Hortense, der Mutter Napoleons III. Schon die Wahl dieses Ortes verrät Geschmack.

Durch das Fischer- und Weinbauerndorf Berlingen gelangt man nach Steckborn mit mittelalterlichen Häusern und BefestiIn Mammern kann man Kurgast im umgebauten Schloss am See sein und findet weitere Schlösser und Ruinen in der Nachbarschaft. Über Wagenhausen mit seiner frühromaniKirche erreicht man Stein am Rhein, ein sehr gut erhaltenes altes Städtchen mit einem sehenswerten Rathaus und dem als Museum eingerichteten Kloster St. Georgen. Von der MinnesänHohenklingen aus bietet sich ein beliebter Blick in das Rheintal. Von Stein am Rhein aus sollte man zu Schiff noch einmal die schweizerischen Küstenorte Revue passieren lassen.

6. Meersburg - DEUTSCHLAND - Bodensee

Meersburg gehört zu den bezaubernden Bodenseestädten, die man ihrer großen Beliebtheit wegen nicht gerade am Wochenende aufsuchen sollte. Meersburg, das ist die ideale Stadtkulisse für Träume von der guten alten Zeit: eine am See gelegene Unterstadt mit gotischem Kornhaus, Kapelle und Seetor und eine auf mächtigem Felsen gebaute Oberstadt mit dem Alten Schloss, dessen Mittelturm 3 Meter dicke Mauern hat und auf das 8. Jahrhundert zurückgehen soll. Die Burganlage war von 1526 bis 1750 Bischofsresidenz. Später "residierte" hier bis zu ihrem Tode 1848 die westfälische Dichterin Annette von Droste-Hülshoff - ihr Schwager von Laßberg hatte die Burg als Rahmen für seine Sammlungen erworben. Das gegenüberliegende Neue Schloss wurde nach Plänen eines der größten Architekten des Barock, Balthasar Neumann, 1750 fertig gestellt. Wer diesen Architekten kennt, wird mit Recht einen weiträumigen Treppenaufgang und einen grandiosen Festsaal erwarten.

Bevor man sich in einer der viel gepriesenen Weinstuben niederlässt, sollte man auch dem berühmten Marktplatz zwischen Rathaustor und Obertor einen Blick schenken.

Von Meersburg aus kann man auf Höhenwegen durch den Wald nach Unteruhldingen zurückgehen oder auch noch ein Stück in entgegen gesetzter Richtung, nach Hagnau, wandern. In dem Dorf der Fischer und Winzer gibt es schöne gotische und barocke Wohnhäuser zu entdecken.

DEUTSCHLAND - Bodensee: Das Alte Schloss zu Meersburg

DEUTSCHLAND - Bodensee: Das Alte Schloss zu Meersburg geht auf eine Burg aus der Zeit um 700 zurück. Im Ostturm lebte und dichtete von 1841 bis 1843 Annette von Droste-Hülshoff.

7. Von Friedrichshafen bis Wasserburg - DEUTSCHLAND - Bodensee

Mehr als zwei Kilometer Ufer- und Kurpromenade hat Friedrichshafen zu bieten. Weit schweift dabei der Blick über den See bis zu den schweizerischen und österreichischen Bergen. Daß Friedrichshafen auch große Industrieanlagen hat, vergisst man angesichts des ehemaligen Klosters Höfen, das schon im 11. Jahrhundert gegründet wurde und 1824 königliche Sommerresidenz wurde, und angesichts der Schlosskirche.

Ein Abstecher zum Stadtteil Ailingen lohnt sich wegen der Fachwerkhäuser aus dem 17. Jahrhundert. Eine Uferwanderung durch das Eriskircher Ried führt nach zweieinhalb Stunden zum Montfort-Schloss in Langenargen, das seine jetzige maurisch-italienische Bauform 1864 erhielt und heute als Kurhaus dient. Über Kreßbronn, das sich als Ausgangspunkt vieler schöner Wanderungen eignet, erreicht man die malerische Halbinsel, auf der Wasserburg liegt. Das weithin vom See aus sichtbare Schloss gehörte bis 1755 den Fuggern und dann dem bayerischen Staat. Die barocke Pfarrkirche und schöne alte Häuser laden zum Verweilen ein.

DEUTSCHLAND - Bodensee: Wasserburg am Bodensee

DEUTSCHLAND - Bodensee: Wasserburg am Bodensee: im Jahre 925 Zufluchtstätte gegen die Hunneneinfälle, heute eher Zuflucht vor den Touristenströmen, von denen die größeren Orte überflutet werden.

8. Lindau und Bad Schachen - DEUTSCHLAND - Bodensee

Die Altstadt von Lindau teilt mit wenigen alten Städten den Vorteil ihrer Insel-Lage: Da gibt es nichts auszudehnen und zu erweitern, sondern nur zu bewahren, und so steht denn auch die ganze Insel, die ein Damm mit dem Festland verbindet, unter Denkmalschutz. Was man hier bei einem zweistündigen Rundgang alles sehen und bewundern kann, lässt sich hier nur andeuten. Der Leuchtturm auf der Mole gegenüber dem Bayerischen Löwen bietet einen interessanten Drei-Länder-Rundblick. Ein guter Aussichtspunkt ist auch die Römerschanze.

Von der Barfüßerkirche (1270) schlendert man durch die altertümliche Fischergasse und schließlich bis zur Spielbank. Am Marktplatz stehen die Stephanskirche (1609) mit besonders schöner Orgel, die Barockkirche St. Maria (1748), das Spitalgebäude, die Alte Hauptwache und das von Dehio als "schönstes Bürgerhaus am Bodensee" hervorgehobene Patrizierhaus am Cavazzen. An der Hauptstraße, die den Fußgängern vorbehalten ist, bleibt als eines der größten Schmuckstücke der Stadt das Alte Rathaus mit der Ratsherrentreppe zu bewundern. In der Peterskirche (10. Jahrhundert) wurden Fresken von Hans Holbein dem Älteren entdeckt. Von der alten Stadtbefestigung sind sehenswert: Diebsturm, Pulverschanze, Pulverturm und Karlsbastion.

Am See entlang in Richtung Wasserburg führt ein beliebter Uferweg nach Bad Schachen, einem Kurhotel großen Stils mit einem in Blumen schwelgenden Park.

DEUTSCHLAND - Bodensee: Rathaus von Lindau

DEUTSCHLAND - Bodensee: Einen besonders schmucken Staffelgiebel, mit zierlichen Voluten besetzt, hat das Rathaus von Lindau. Originell ist auch die Ratslaube vor dem ersten Stockwerk.

9. Bregenz und der Pfänder - DEUTSCHLAND - Bodensee

Das österreichische Bregenz hat durch die Festspiele auf der Seebühne von sich reden gemacht, wo man sich abends einen "von den Musen liebevoll erzeugten Schnupfen" (Erik Graf Wickenburg) holen kann. Meist sind die Aufführungen mehr bunte Show als ernsthaftes Schau-Spiel, doch nach Vollendung der neuen, aber nahezu antiken Zuschauertribüne werden die Musen aus Wien und Mailand sich noch mehr als bisher für diese Kunststätte interessieren.
Bregenz ist eine Stadt mit langer, bewegter Geschichte. Schon im 2. Jahrhundert war der Ort Brigantium auf der Weltkarte des Ptolemäus verzeichnet. Zeugnisse der Frühgeschichte und Geschichte findet man im Landesmuseum. Das Rathaus von 1686 und die Georgskapelle von 1445 bilden den interessantesten Baukomplex der Unterstadt. Auf dem Wege zur mittelalterlichen Oberstadt kommt man zum Martinsturm und durch das alte Stadttor. Reste des alten Wehrgangs stehen beim Fachwerkbau des Alten Rathauses (17. Jahrhundert). In der Nähe des Beckenturms liegt das Deuringschlösschen von 1680 mit seinem Eckturm. Wer sich länger in Bregenz aufhält, kann im Bereich der Stadt noch eine stattliche Reihe alter Klöster, Kirchen und Kapellen aufsuchen.

Doch wer auch nur einen Tag hier verweilt, sollte sich die Seilbahn-Auffahrt zum 1014 Meter hoch gelegenen Berghaus Pfänder nicht entgehen lassen. Nicht allein wegen der guten Gastronomie. Der Pfänder ist der Aussichtspunkt des Bodensees. Hier überblickt man einen wahren Garten Eden: den Bodensee und die oberschwäbische Hochebene, das Rheintal und das schweizerische Säntis-Gebiet, die Berge Graubündens und Vorarlbergs, die Allgäuer Berge und den Bregenzer Wald.

10. Vom Schweizer Ufer hinauf nach St. Gallen - DEUTSCHLAND - Bodensee

Unmittelbar gegenüber von Friedrichshafen liegt das schweizerische Romanshorn, der größte Bodenseehafen, dessen Seepromenade mit Blumenparkanlagen geschmückt ist. Schon hier gibt es eine erste Beziehung zum Kloster St. Gallen: Das Schloss gehörte den St. Galler Äbten. Das nächste bemerkenswerte Schloss liegt in Arbon (1515). Der Bergfried wurde bereits für Konradin, den letzten Hohenstaufer, gebaut. Über Steinach geht es weiter nach Hörn. Auch in diesem Badeort steht ein Schloss; es gehört dem ehemaligen Landgrafen von Hessen.

Die große Zeit des Klosters St. Gallen ist vielen durch Scheffels Roman "Ekkehart" gegenwärtig. Es war die Zeit der bedeutenden Buchmaler, der Dichter, Musiker, Künstler und Wissenschaftler, wie Ratpert, Tuotilo, die Notkers und die Ekkeharte. Ursprung dieses Klosters war die Mönchszelle, die der irische Mönch Gallus um 612 hier an legte. Der kulturellen Bedeutung von St. Gallen wurde schon 1206 Ausdruck verliehen, als die Äbte den Rang von Reichsfürsten erhielten. Im weiten Gebäudekomplex des Klosters ist die Stiftsbibliothek von 1767sehens- und bewundernswert. Der große Saal mit seinen Deckengemälden und Holzschnitzereien gilt als der schönste Barocksaal der Schweiz.

Die dreischiffige Dom- und Stiftskirche wurde 1776 nach Plänen des Baumeisters J. C. Bagnato vollendet. Deckenfresken, Steinreliefs und kostbare Schnitzereien betonen die kühne Anlage dieses Domes. Auch die Stadt selbst mit dem Karlstor und erkergeschmückten Häusern, mit einem Botanischen Garten, Wildpark und dem ältesten Theater der Schweiz, mit Drahtseilbahnen zu lohnenden Aussichtspunkten ist ein begehrtes Reiseziel. Sogar die moderne Geschäftswelt trifft sich hierzu Kongressen und Tagungen.
Der See ist nach 12 Kilometern Fahrt wieder in Rorschach zu erreichen. Doch auch hier wäre es schade, einfach ins Schiff zu steigen und abzufahren. In der tausendjährigen Stadt sollte man sich zum mindesten den Rundgang durch die alten Bürgerhäuser nicht entgehen lassen. Sehenswert ist dort auch das Kloster Mariaberg.

Weißgold zwischen sanften Höhen - DEUTSCHLAND - Bodensee

Hat das letzte hell erleuchtete weiße Schiff mit tanzfreudiger Jugend die Landestelle verlassen, verwandelt sich der Überlinger See in einen Bruder des Sognefjords. Die Pfahlbauten der Stein- und Bronzezeit, durch Gelehrsamkeit und Intuition bei Unteruhldingen wiedererstanden, scheinen auf dem Licht der untergehenden Sonne zu schwimmen. Hin und wieder kreuzt ein später Segler oder früher Fischer das weithin ausgegossene Gold. Drüben auf der Mainau des Schwedenprinzen Bernadotte senken sich Nebelschleier über die Farbenpracht exotischer Blüten, über die Zedern aus dem Himalaja-Gebirge, die Kaiserbäume aus Japan und die Mammutriesen Kaliforniens. Rechter Hand tritt der barocke Prunk der Birnau-Kirche St. Marien einen Schritt zurück in die Dome der Fichtenwälder. Wie eine riesige Mole schiebt sich der Bodanrück vom Ende des Sees bis vor die Tore von Konstanz, das wie ein deutscher Brückenkopf bereits auf dem Schweizer Festland liegt - schiebt sich zwischen Überlinger und Zeller See, zwischen Reichenau und Mainau, zwischen schwäbische Hügel- und Schweizer Gebirgslandschaft.

Undurchdringlich scheinen um diese Stunde die Wälder des Bodanrück, und der im Dunst verwischte Obersee lässt uns Lindau, die Inselstadt, und Bregenz, den Brückenkopf Österreichs am See, nur in der Ferne ahnen. Man hat nicht das Gefühl, dass der nächtliche See bei Bregenz an einer schwimmenden Operettenbühne endet, sondern man glaubt, dass er sich wie ein Fjord einem Ozean öffnet.
Unermüdlich pendeln zur Linken die Autofähren zwischen Meersburg und Staad, und wenn sich zwei Fähren begegnen, ist es eine Lichterschlange, die sich zusammenzieht und bald darauf wieder dehnt und zerreißt. In der Mitte des Sees gibt es noch einmal eine solche Fährlinie zwischen Friedrichshafen und dem Schweizer Romanshorn, und von dort ist es nicht weit nach St. Gallen und auf den zweieinhalbtausend Meter hohen Säntis -Plätze, an denen es leicht fällt, ein Jahrtausend zurückzudenken, wie es uns Scheffel im "Ekkehart" gelehrt hat.

Es ist gut, dass der See, überreich an alter Kultur, am Abend alles Aufregende verliert - wenn nicht gerade ein Gewittersturm in seinen Tiefen wühlt. Dann blinken aufgeregt Warnlichter an der Mainau, in Bodman, an allen Ecken und Enden. Die letzten Segelboote suchen in einem der kleinen Häfen Schutz. Blitze schlagen in die schlafenden Höhen. Winde messen sich mit der Stehkraft der Bäume. Und die Wasser bäumen sich auf gegen die Liegewiesen, auf denen eben noch Mädchen ihre Beine bräunten. Hat die Sonne vollends hinter Radolfzell und weit dahinten am Hohentwiel abgedankt, gewinnt die Laterne des Mondes über der Mainau an Leuchtkraft, und ein schmaler Teppich aus mattem Gold spannt sich von Ufer zu Ufer.

Jetzt sitzen nur noch ganz wenige Menschen auf der Hafenmole unter Pappeln, die wie Scherenschnitte vor dem nächtlichen Himmel aufgereiht sind: sehr junge Menschen oder sehr alte, und von den ganz jungen können ein paar der Versuchung nicht widerstehen, in den See zu springen, auf dem sich längst die Sterne spiegeln. Selbst wer sonst wenig romantisch veranlagt ist, und wenig Sinn aufbringt für die Holzschnittkunst des Jörg Zürn im Münster zu Überlingen oder für das große Orgelwerk im Münster zu Salem - wenn über dem dunkelklaren See die Sterne scheinen, werden viele Menschen doch zu Romantikern - wie Mörike, als er notierte: "Denk ich an ihn, gleich wird die Seele so weit wie sein lichter Spiegel."


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