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FINNLAND - 60000 Seen und grenzenlose Einsamkeit
Anfahrt: Helsinki ist von vielen europäischen Städten, auch zum Beispiel von Frankfurt und Hamburg, aus im Direktflug zu erreichen. Im Lande selbst gibt es preisgünstige Holiday-Tickets für beliebige Flüge innerhalb von 15 Tagen. Finnlands Fährschiffe gehören zu den modernsten der Welt. Das größte, die "Finnjet" (25900 BRT) befördert 1532 Passagiere und 350 Autos in 22 Stunden von Travemünde nach Helsinki. Diese Schiffe haben auch große Konferenzräume. Manche Firmen oder Verbände gönnen sich sogar im Winter die Attraktion, auf einem solchen Schiff zu tagen - die Fährschiffe sind als Eisbrecher gebaut.
Stützpunkte: In Helsinki, der "weißen Stadt am Meer", lohnt es sich, etwa drei Tage Station zu machen, um die großzügigen Straßen und Plätze und die moderne Architektur auf sich wirken zu lassen - vor allem den Lebensstil dieser gelassenen, freundlichen Großstädter.
Unterwegs nach dem Norden findet man gastliche Touristenhotels an landschaftlichen "Glanzpunkten". Hauptstadt und Hauptstützpunkt in Lappland ist Rovaniemi. Hier beginnt die Eismeerstraße, die bis zur russischen Besetzung von Petsamo (deren Zeuge der Autor war) tatsächlich bis ans Eismeer, an die Barentssee, führte. Jetzt erreicht man auf ihr noch den Inarisee und die norwegische Grenze.
Im Schein der Mitternachtssonne leuchtet der Kallavesi-See bei Kuopio wie flüssiges Gold - eines der unvergeßlichen Erlebnisse auf der Fahrt von Helsinki nach Norden.
Wer in dem dicht besiedelten Europa von Einsamkeit und Weite träumt, der muß nach Finnland fahren.
Schon in den Touristenhotels am Rande der Seen, derTundra und derTunturis (felsigen Höhen) spürt man die ungeheure Ruhe, die über der herben nordischen Landschaft liegt. Und wer das seit 1977 angebotene Air-Camping mitmacht, wobei im Flugpreis die Miete eines Campmobilseingeschlossen ist, der kann in unmittelbarer Nachbarschaft der umherziehenden Lappen kampieren, sich selbst wie ein Nomade fühlen - und alle persönlichen und beruflichen Probleme restlos und spurlos vergessen.
Von Helsinki, der "weißen Stadt am Meer", bis zum einsamen Inarisee im hohen Norden Finnland
Wer sich in der zweiten Augusthälfte in Helsinki aufhält, kann an den Festwochen Helsinki-Festival teilnehmen. Sie bieten Konzerte, Oper, Ballett, klassisches Theater in finnischer Inszenierung, finnische Filme und Fahrten in die Umgebung. In Helsinki haben große moderne Architekten ihre Baudenkmälerhinterlassen. Das begann schon, als Finnland am Anfang des neunzehnten Jahrhunderts zu Rußland gehörte und der Zar den deutschen Architekten Car Ludwig Engel aus St. Petersburg schickte. Er gestaltete mit der Nikolaikirche, dem heutigen Dom, und den um sie herum gruppierten Bauten die Empirestadt, die in dieser stilistischen Geschlossenheit in ganz Europa kein zweites Mal zu finden ist.
Die Nikolaikirche, der Dom von Helsinki, und die rings um sie gruppierte weiße Empirestadt sind ein Werk des Architekten Carl Ludwig Engel aus St. Petersburg (Bild oben).
Zu Anfang unseres Jahrhunderts wirkte dann das Architekten-Dreiergespann Saarinen - Lindgren - Gesellius, die auch in anderer Beziehung "modern" waren: Sie versteckten Maxim Gorki vor der Geheimpolizei des Zaren, führten ein "gar geselliges" Leben und sollen sogar auch gelegentlich ihre Frauen getauscht haben.
Zehn Minuten Autobusfahrt vom Stadtzentrum aus führen weit zurück in die Vergangenheit des Landes: Auf der Insel Seurasaari bewahrt das größte Freilichtmuseum Finnlands zwei große vollständige Hofanlagen und viele andere bäuerliche und bürgerliche Baudenkmäler, einen Herrenhof, drei alte Kirchen, Wassermühlen, Windmühlen und Schmieden. Rund um das Museumsgelände ist ein Volkspark angelegt.
Wer von Helsinki aus im eigenen oder geliehenen Wagen den Weg nach dem Norden von Finnland, nach Rovaniemi, antritt, der startet auf der Straße Nr. 3. Jeder Finne wird als erste Station das bekannte Touristenhotel Aulanko empfehlen, das inmitten von Seen und Wäldern liegt. Man sitzt in Polstersesseln unter Palmen und blickt durch riesige Glaswände auf einen gepflegten Park und den See.
Tampere ist eine Industriestadt und hat doch absolut nichts mit Begriffen wie Kohle-und Stahlrevier oder dergleichen zu tun. Die Stadt ist von 200 Seen und ausgedehnten Wäldern umgeben, hat in ihrer Mitte schöne Parkanlagen und eine Brücke über eine Stromschnelle zwischen zwei großen Seen.
Von hier aus empfiehlt es sich, Kurs auf Jyväskylä zu nehmen. Dort stehen zahlreiche eigenwillige Bauten, zum Beispiel im Studentenviertel, und von der Formgebung des Rautasipi-Hotels sagt man, sie sei gleichzeitig "nordisch cool und anheimelnd warm".
Einer der schönsten Umwege zum Bottnischen Meerbusen führt über Kuopio. Gewiß, einen sehenswerten Dom, ein Rathaus und eine Altstadt gibt es auch anderswo, aber einen Aussichtsturm wie den Puijo findet man vielleicht kein zweites Mal auf der Welt. Von der Plattform dieses Turmes aus blickt man auf die weite Fläche des Kallavesi-Sees, auf dem viele kleine bewaldete Inseln wie Schiffe - oder wie Seeungeheuer - je nach Tageszeit und Stimmung - zu schwimmen scheinen. Winzig erscheinen dagegen die Motorboote. Weiße Segel sucht man meist vergeblich, weil die Windverhältnisse gefährlich und die Felsen unter Wasser auch nicht verlockend sind.
Nordische Nacht. Unter den Sternen tanzen die Schleier des Nordlichts. Es ist, als hätten sich die Lichtkegel von Scheinwerfern von ihrer Lichtquelle losgerissen und führten am Himmel einen Geistertanz auf. Nüchtern spricht die Wissenschaft von Reibungen am Rande der Atmosphäre.
Fischen im Eis eines Sees in der Dämmerung der Winternacht - eine typisch finnische Szene.
In Oulu ist der Bottnische Meerbusen erreicht. Oulu liegt in einem ausgedehnten, fruchtbaren Landwirtschaftsgebiet. In Kemi, der nächsten Hafenstadt, duftet es nach Holz, das jährlich in Millionen Stämmen auf dem Kemijoki aus dem Norden von geschickten Flößern herandirigiert wird.
Rovaniemi, die Hauptstadt Lapplands, wurde nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges nach einem Plan von Alvar Aalto, dem berühmtesten finnischen Architekten, wieder aufgebaut. Bei sonnigem Wetter macht die "fidele Stadt" den Eindruck einer weißen Stadt am Mittelmeer. Und an Wasser fehlt es hier auch nicht: Rovaniemi liegt dort, wo Lapplands mächtigster Fluß, der Kemijoki, und dessen großer Nebenfluß Ounasjoki sich vereinigen. Von hier aus kann man im Winter nicht nur an Ausflügen im Rentierschlitten teilnehmen - man kann auch selbst einen "Rentierführerschein" machen.
Auf der berühmten Eismeerstraße, der Lebensader Nordfinnlands, erreicht man bereits bei Kilometer 9 ein Schild mit der Aufschrift "Napapiiri/Polärceln/Cercle polaire", und dasselbe steht auf einem Stempel, mit dem man im Blockhaus-Cafe die obligatorischen Postkarten erhält. Weiter geht es durch Wälder' mit hohen, schmalen Nordlandfichten, deren Äste schräg nach unten hängen. Nicht ganz so gerade wie deren Stämme sind die Telegrafenmasten, wenn der nordische Wind an ihnen gerüttelt hat.
Doch nicht nur unermeßliche Wälder, auch fruchtbare Felder mit wohlgenährtem Vieh durchschneidet diese Nord-Süd-Straße in Finnland. Auf ihr kann es passieren, daß man mit einem plötzlich auftauchenden Rentier zusammenstößt. Dann "bringt es" nichts, sich aus dem Staube zu machen. Man muß die nächsten Einheimischen benachrichtigen. Der Staat ersetzt dem Besitzer den Schaden.
Nachdem die Eismeerküste mit dem Hafen Petsamo nicht mehr zu Finnland gehört, schwenkt die Eismeerstraße in Ivalo am Inari nach Nordwesten, über Kaamanen erreicht man Karigasniemi an der norwegischen Grenze.
Obwohl es sich lohnt, weiter nach Lakselv am tief ins Land schneidenden Posangerfjord und nach Hammerfest an der norwegischen Küste weiterzufahren, ist der Inarisee eigentliches Ziel und Inbegriff jeder Lapplandreise - seine Weite, seine Einsamkeit, sein mit dem nordischen Himmel wetteiferndes Farbenspiel. Ivaloam See hat einen Flugplatz, von dem man in den Sommermonaten nach Kirkenes in Nord Norwegen fliegen kann. Inari wird denjenigen,die aus dem nördlichen Lappland kommen,wie der Inbegriff abendländischer Zivilisation erscheinen. Kommt man allerdings von Süden, wirkt es auf manchen wie das "allerletzte Lappendorf". Damit soll nichts gegen die Lappen und ihre bunten Trachten mit den Vierzipfel-Mützen gesagt sein. Wie öde müßte die Tundra im Winter wirken, gäbe es diese bunten Trachten nicht! Das riesige Gebiet von Lappland hat 200000 Einwohner und 200000 Rentiere. Wären die Einwohner alle Lappen und Rentierzüchter, dann gehörte jedem nur eines dieserTiere. In Wirklichkeit sind diese 200 000 aber im Besitz von ganzen 800 Lappenfamilien, die als Halbnomaden das Gebiet derTunturis, der felsigen Höhen, und der Ebenen durchstreifen.
Zur Rundfahrt wird diese Reise, wenn man von Inari zur norwegischen Grenze bei Karigasniemi und von dort auf norwegischem Gebiet nach Lakselv, zur Hafenstadt Hammerfest und dann südwestwärts nach Alta und Skibotn fährt. Bei Kilpisjärvi am Dreiländereck erreicht man wieder finnischen Boden und fährt entlang der schwedischen Grenze in Richtung Rovaniemi.
Auf halber Strecke von der norwegischen Grenze aus wird niemand den kurzen Abstecher zum Hotel und Touristenparadies Pallastunturi versäumen, das im Winter nur mit Rentier- oder Pferdeschlitten zu erreichen ist.
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