Reisetipps > Reiseberichte
zurück zu
Reisen
ISLAND
Wo sich die Erde dem Menschen auftut - und der Mensch sich der Erde
Anfahrt
Die "normale" Art, Island zu erreichen, ist die mit Flugzeugen der isländischen Fluggesellschaften, zum Beispiel von Düsseldorf, Frankfurt, Luxemburg, Kopenhagen oder London aus. Fährschiffe nach Island verkehren zwischen Bergen/Norwegen und Seydisfjördur in Ost-Island über die Färöer.
Stützpunkt
Ausgangspunkt für die meisten Erkundungsfahrten in Island ist die Hauptstadt Reykjavik im Südwesten, von der aus auch die drei besonders charakteristischen Sehenswürdigkeiten schnell zu erreichen sind: der große Geysir bei Haukaladur, der Wasserfall Gullfoss und die alte Thingstätte Thingvellir.
Island - Vulkan Gratersee mit Gletscher
Island - Leuchtturm in Island
Island - Snaefellnes Vulkan im Westen Islands
Island gehört zu den wenigen Ländern der Erde, in denen man noch wirkliche Abenteuer buchen kann.
Nach Fahrplan starten Naturfreunde zu mehrtägigen Gletscher-Rundfahrten mit Spezialfahrzeugen ("Schneekatzen"), andere schließen sich einer vierzehntägigen Landrover-Fahrt durch das Landesinnere an, wieder andere wandern mit dem Rucksack von Geysir zu Wasserfall und übernachten in Schutzhütten; Touristen in "Safari-Bussen" nächtigen in Island an Seen und Gletschern in Zelten, wieder andere suchen auf Bauernhöfen Kontakt mit Land und Leuten und auf Reiterhöfen den Umgang mit den zähen, trittsicheren Island-Ponys, oder sie fliegen rüber nach Grönland und erkunden Island die größte Insel der Welt mit Booten und Hundeschlitten.
Mein Vorschlag einer Autobusreise rund um Island richtet sich nicht an diese "Spezialisten" unter den Naturfreunden und bietet bei einem Minimum an zivilisatorischer Bequemlichkeit eine Fülle nicht austauschbarer Eindrücke.
Island - Eine Insel, aus Feuer geboren
Bevor ich nach Island fuhr, suchte ich das Land in zwei Bildbänden über Europa - und fand es nicht. Und doch fand ich Europa nirgends so rein wie in Island. Das begann schon zwischen Frankfurt und Reykjavik im Flugzeug: Die lichtblonden Stewardessen in rotem Kostüm und blauem Halstuch machten durch ihre Art, Kaffee und Kuchen zu reichen den Flugzeugraum zur gastlichen Bauernstube. Ihre Schwestern in den Gaststuben auf dem Land waren die ersten dienstbaren Geister in Ost und West, die unser Trinkgeld verweigerten. Später dann ein verschmitzter Troll mit Fransenhaarschnitt, Fremdenführer einer ersten Autobusrundfahrt, der uns den Stolz der Isländer kennen lehrte. Auf die Bemerkung eines Amerikaners, das Wetter sei auch nicht gerade das beste, grinste er: "Was wollen Sie? Dieses Tief habt ihr drüben in Amerika gemacht!" - eine durchaus übliche Äußerung aus dem Munde eines selbstbewußten Isländers. Die Literatur des lese- und schreibfreudigen Landes - Gunnarsson, Laxness - wird auf dem Kontinent gern gekostet wie ein Glas reinen Quellwassers oder würziger nordischer Milch. Wer aber kennt die Volksmusik dieses Landes, skandinavisches Melos, das mit russischer Seele verschmolzen scheint? Wer sah moderne Bildhauerkunst mit so kraftvollem und zugleich verhaltenem Ausdruck wie in Island?
Island - Gletschersee
Island -Thingvellir Allmannagja In dieser Grabenbruchschlucht wurde die isländische Volksversammlung abgehalten
Island - Erdlandschaften - Mondlandschaften
Manche Reisenden aus Europa oder Amerika hört man schon auf der langen Anfahrt vom Flughafen Keflavik nach Reykjavik Überlegungen über eine baldige Weiterreise anstellen. Denn gerade in Island sind beiderseits des Weges keine Blumen gestreut, sondern Lavasteine, Lavaasche, buckelige, zerklüftete, trostlose Schwärze, Schuttfelder aus den Hexenküchen der Erde. Doch wenn die Regen- und Nebelschleier sich lichten, sieht man auch hier Deckchen von Moos das allzu Nackte verhüllen. Und wer genau hinschaut, findet in den Mulden des Gerölls ein Mutterschaf, an dessen wuscheligen Körper sich ein weißes oder schwarzes Lamm schmiegt.
Amerikanische Astronauten, die sich auf Mondflüge vorbereiteten, bevorzugten isländisches Mondgelände zum Training. Aber das sind nicht die Landschaften, die vor elfhundert Jahren die ersten Siedler nach Island lockten und immer noch Einwanderer von beiden Seiten des Atlantiks an sich fesseln. Diese Landschaften zeigte uns der junge Fahrer eines Landrovers entlang den Buchten und Bergen der Südküste. Welcher Individualist aus irgendeinem Teil Europas spielt hier nicht mit dem Gedanken, ansässig zu werden inmitten saftiger Wiesen und lachsreicher Gletscherflüsse, das moosbegrünte, steil abfallende Hochland im Rücken, den Blick gerichtet auf den schwarzen Strand, die Schaumkämme des Meeres, die Felsenberge der Westmännerinseln und die von Möwen, Kormoranen und Baßtölpeln bewohnten Klippen? Dennoch sehen diese weit verstreuten Gehöfte in Island eher nüchtern als romantisch aus: Moosbedeckte Holzhütten allenfalls noch als Ställe und Scheunen, sonst aber Betonwände und Wellblechdächer oder Holzhäuser, mit farbig bemaltem Wellblech verkleidet. Daneben oft das aus heißen Quellen beheizte Gewächshaus, in dem Tomaten, Bohnen, Paprika, Trauben, Bananen wachsen.
Island - Nupsstadur Alte Torfhäuser in der alten Poststation Nupsstadur im Süden Islands
Island - Reynishverfi - Felsformationen aus Lava im Süden Islands
Island - Gern fährt der Landbewohner mit dem eigenen Wagen in die kleine Großstadt Reykjavik.
Der Hafen ist bunt von Fischerbooten, doch keineswegs bunt und laut geht es in den Straßen zu. Islands Fischer sind eher zur Kirche unterwegs als zur Kneipe. Das Parlamentsgebäude ist weitaus weniger repräsentativ als die mächtig wie ein Schloß über dem Hafen thronende Seemannsschule.
Im Fjord der Wale nordwestlich von Reykjavik landeten früher die harpunierten Grönlandwale an: beiderseits im Schlepp der kleinen Walfangschiffe, an der "Station" mit Motorwinden die Rampe hochgezogen, mit Motorwinden in Minutenschnelle enthäutet.
Noch war nicht die Rede von den "eigentlichen" Attraktionen des Landes: von Geysiren, Wasserfällen, Gletschern, Vulkanen und Islandponys. Sie sind nicht die Quintessenz, aber die Glanzpunkte der Reise: Gullfoss, der "goldene" Wasserfall, an Breite, Höhe und elementarer Gewalt fast mit den Niagarafällen konkurrierend, Geysir, der eigentliche Träger dieses Namens: ein blubbernder, schweflig gelber Tümpel, der zur Zeit gar nicht daran denkt, den Touristen heiße Fontänen vorzuzaubern (wie das seine Nachbarn dienstwillig tun). Und schließlich das Gletschereis, von Lavaasche geschwärzt, mit dem Landrover in tollkühner Fahrt durch hoch aufspritzende Bäche und Geröllfelder erreicht. Hekla, der größte Vulkan auf Island, schleuderte zuletzt 1970 aus gelbroten Gasflammen schwarzes Geröll zu Tal.
Bleiben noch die wuschelköpfigen Ponys zu erwähnen, deren Pulks, mit und ohne bärtige Reiter, wir über die Wiesen der Südküste sich trollen sahen, die aber auch auf weiten Tagereisen ins unwegsame Innere treue Gefährten sind. Man muß wohl auf ihrem Rücken durch Mondlandschaften geritten sein, um Islands Bewohner besser zu verstehen, die Nachkommen von Norwegern, vermischt mit Iren und Schotten.
In zwei Wochen rund um Island: Autobus-Rundreise mit Übernachtungen in Sommerhotels
Schon in der Hauptstadt Reykjavik, der nördlichsten Hauptstadt der Welt mit 119.547 (1. Januar 2009) Einwohner, ist manches einmalig: große Tanks, die nicht Benzin, sondern das heiße Wasser des vulkanischen Erdreichs speichern, ein Binnensee, auf dem sich die nordischen Eiderenten, Bergenten und Pfeifenten tummeln, Wohnhäuser aus Holz und Wellblech, die trotzdem anheimelnd wirken. Die Häuser, Fabriken und Bäder der Hauptstadt werden mit dem Wasser der heißen Quellen geheizt, genauso wie die Treibhäuser in Hveragerdi und anderswo, in denen Bananen und Orchideen gedeihen. Der Große Geysir erfüllt nur noch selten das Versprechen der Reisebücher, daß er alle drei Minuten eine heiße Fontäne von 20 Metern Höhe hochschießen lasse. Aber andere Geysire in der Nähe entschädigen die Besucher. Der Wasserfall Gullfoss wurde durch ein leidenschafliches Gedicht eines isländischen Dichters davor bewahrt, mit einem Wasserkraftwerk verbaut zu werden. Das erste Quartier liegt in Fludir oder Laugarvatn, in einem Sommerhotel, einem Schulinternat, das während der Ferien den Touristen offen steht.
Island - Auch das ist Island! Eine wunderschöne Bucht in den Westfjorden...
Island - Island-Stykkisholmur Der Hafen des in den Westfjorden liegenden Ortes Stykkisholmur am Abend
Island - Island-Leuchtturm - Auf dem Breidfjördur steht auf einer Schäre dieser hübsche Leuchtturm
Island - Morgens geht's an der Thjorsa, Islands längstem Fluß,
entlang zum Hof Stöng aus der Sagazeit. Weiter südlich bietet sich ein Ausblick auf den Vulkan Hekla 149 m, dessen rauchender Krater im Mittelalter als der Eingang zur Hölle galt und der noch 1970 Feuer und Lavaströme spie. Sogar das Eis benachbarter Gletscher ist von schwarzer Asche bestäubt. In einer Bucht unterhalb des Gletschers Eyjafjalla-Jökull (1666 m) fällt der Blick auf die Westmännerinseln mit der berühmt gewordenen Insel Heimaey, die bei einem Vulkanausbruch 1973 in einer grandiosen Rettungsaktion geräumt wurde, und mit Surtsey, einer Insel etwa der doppelten Größe von Monaco, die 1963 durch einen Vulkanausbruch in 130 Metern Meerestiefe entstanden ist. Weiter ostwärts, vorbei am Seljalandsfoss, erreicht man das Küstenstädtchen Vik, in dem übernachtet wird.
Vik bleibt auch für die nächste Nacht das Stammquartier nach einem Ausflug zum Kap Dyrhölaey mit seinen Vogelkolonien und bizarren Felsformationen, zur Gletscherzunge Solheimajökull und zum Skogafoss.
Am nächsten Tag geht die Fahrt über Sand- und Lavafelder nach Krikjubaerklaustur und zu der kleinen Torfkiche Nupstadir. Im Nationalpark Skaftafell blickt man auf den Vatnajökull, Europas größten Gletscher, der sich über ein Gebiet von 8400 Quadratkilometern erstreckt. Zu diesem Gebiet gehört auch der Oerafajökull (2119 m), in dessen Nähe auf dem See Jökullön schwimmende Eisberge beobachtet werden, übernachtet wird in Nesjaskoli.
Island - Bis zum Hafenstädtchen Höfn
geht es noch unterhalb der Gletscherwelt entlang. An der zerklüfteten Ostküste wird Djüpivogur an einem kleinen Fjord erreicht. Entlang diesem Fjord und durch fruchtbare Täler geht es zur nächsten Station der Fahrt, nach Egilstadur. Hier gibt es übrigens einen der zahlreichen Binnenflughäfen, die das Flugzeug zum Nahverkehrsmittel machen.
Die nordwestlichen Küstengebiete ausklammernd, fährt der Bus über karge Hochflächen, Wüsten, Mondlandschaften zum Dettifoss, dem mächtigsten Wasserfall Europas mit einer "Fallhöhe" von 44 Metern. Weiter im Norden wartet die Felsschlucht Asbyrgi, und an der Nordküste, also nahe dem Polarkreis, wird die Halbinsel Tjörnes umfahren, auf der Fossilienfunde über pflanzenreiche Frühzeiten der Insel Auskunft geben. Nach einem Besuch im Fischerstädtchen Hüsävik wird in Laugar übernachtet.
Laugar dient auch für die nächste Nacht als Quartier. Denn der folgende Tag ist dem See Myvatn gewidmet, einem der Höhepunkte der Reise. Dieser nie ganz zufrierende "Mückensee", dessen Ufer 70 Kilometer lang sind, ist die Heimat von 15 000 Enten. Eine der 15 Arten, die Eisente, erweckt schottische Impressionen durch ihren dudelsackähnlichen Balzruf. Das Myvatn-Gebiet ist mit seinen Zinnen und Figuren aus Lavagestein, zahllosen "Pseudokratern", Heißwassergrotten und Schwefelquellen ein Eldorado für Zoologen, Botaniker und Geologen.
Fast so wundersam wie die Orchideen der Treibhäuser muten die Birkenwälder im Norden der fast baumlosen Insel an. Der Godafoss, "Götterfall", heißt nicht so wegen seiner göttlichen Gewalt, sondern weil man hier im Jahre 1000 Götterbilder hinabgestürzt hat. Plötzlich an der Nordküste wieder eine ausgewachsene Stadt: Zwischen Eyafjord und Einöde kuscheln sich die Häuschen der nördlichen Hauptstadt Akureyri.
Weiter in Island am folgenden Tag: über eine Paßstraße an den Skagafjord, zur Torfkirche von Vidimyri und zum Volksmuseum Glaumbaer. Durch fruchtbare Landstriche und über Paßstraßen wird schließlich die Westküste erreicht. Auf einer Halbinsel am inselreichen Breidafjord liegt Slykkisholmur, die nächste Übernachtungsstation.
Rund um die weit in Richtung Atlantik herausgestreckte Landzunge Snaefellsnes werden zahlreiche Fischerorte passiert.
Drohend erhebt sich der Gletscher Snaefellsjökull (1446 m), von dem Jules Verne seine Reise zum Mittelpunkt der Erde ausgehen ließ. Bei Stapi werden rund um die Grotten die verschiedenen Arten der Meeresvögel beobachtet. Im Handels- und Verkehrszentrum Borgarnes wartet das nächste Quartier.
Der zwölfte Tag der Reise führt in das grüne Tal des Borgarfjördur und nach Reykholt. Noch einmal zeigt sich die furchteinflößende Schönheit des Landesinnern von Island an den Bergpässen entlang des riesigen Gletschers Langjökull und bei der alten Thingstätte des Landes: Thingvellir. Felskulisse, weite menschenleere Ebene und der dampfende See Thingvallavatn, der größte des Landes - das alles war für Lord Dufferin eine Weltreise wert!
Zwei oder drei Tage wieder in Reykjavik sind dazu geeignet, allmählich ins Leben unserer Normen zurückzufinden und gleichzeitig die unersetzlichen Bilder in unserem Innern zu "entwickeln", mit denen diese Rundreise nicht nur die Netzhaut der Augen irritiert.
Island - Weiterführende Links:
Island: www.iceland.de - Die offizielle Homepage von Island
Island - Reykjavik - offizielle Homepage der Hauptstadt v. Island
Island - Bildergalerie: - Bilder und Videos von Island
Island: Island der Geysir Strokkur
zurück zur Übersicht " Reiseberichte"
zurück zur Startseite " Freizeit München Tipp"
nach oben
Die ursprünglichen Bilder zu dem Reisebericht - Reisetipps - Island:
Island: 33 krn südlich von Island entstand durch einen Vulkanausbruch in 130 m Meerestiefe Mitte November 1963 die Vulkaninsel Surtsey. Ein Jahr später wurden hier von "Surtur II" immer noch 3 m Lava in der Sekunde ausgestoßen.
Island: Vulkane und Gletscher haben die Landschaft in Islands zentralem Hochland gestaltet - eine Mondlandschaft, in der auch Astronauten trainiert wurden.
Island: Tiefes unterirdisches Grollen kündigt die Ausbrüche der Geysire an, bei denen ein von Gischt und Dampf umhüllter Wasserstrahl emporschießt. Geysir Strokkur, Haukadal.
Island: Das Anfang August 1973 auf der Insel Heimaey aufgenommene Haus wurde wie viele andere unter Lavaasche begraben. Freiwillige Helfer aus achtzehn Nationen schaufelten später die Häuser wieder frei. Schon Ende 1973 waren 2000 von 5300 Einwohnern auf die Insel zurückgekehrt. Hinten der neu entstandene Vulkan Eidfell.
Island: Alte Bauernhäuser in Arbaer bei Reykjavik enthalten ein kulturhistorisches Museum. So schmucke Häuser mit grasgedeckten Dächern, fein gearbeiteten Türen und Fenstern und mit uralten Schnitzmustern an den Giebeln, findet man heute in Island nur noch selten.
Island: Zu den schönsten Wasserfällen Europas gehört der Gullfoss bei Reykjavik. Zwischen den Stufen entstehen Regenbogen Im sprühenden Wasser
Bilder von www.pixelio.de:
Island Snaefellnes Hannelore-Dittmar-Ilgen
Island Kratersee mit Gletscher Axel Hopfmann
Island Leuchtturm Rainer Kaupil
Island Gletschersee Rainer Kaupil
Island Strokkur Geysir Hannelore Dittmar-Ilgen
Island-Hvallaturbuch Hannelore-Dittmar-Ilgen
Island-Leuchtturm Hannelore-Dittmar-Ilgen
Island-Nupsstadur Hannelore-Dittmar-Ilgen
Island-Reynishverfi Hannelore-Dittmar-Ilgen
Island-Stykkisholmur Hannelore-Dittmar-Ilgen
Island-Thingvellir Allmannagja Hannelore-Dittmar-Ilgen
zurück zur Übersicht " Reiseberichte"
zurück zur Startseite " Freizeit München Tipp"
nach oben
Untermenü