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DEUTSCHLAND - Neue Bundesländer



DIE NEUEN BUNDESLÄNDER - Vom Ostseestrand bis zur Sächsischen Schweiz

DEUTSCHLAND - Neue Bundesländer - Anreise:
Potsdam, der Ausgangspunkt dieser Reise, liegt vor der südwestlichen Ecke von Berlin. Es können also alle Verkehrsmittel nach Berlin genutzt werden.

DEUTSCHLAND - Neue Bundesländer - Stützpunkte:
Da es in Potsdam besonders viel zu sehen gibt, sollte man dort auch die ersten Nächte verbringen. Auch Dresden lässt sich schwerlich mit einem Tage abtun. Dresden hat zahlreiche große Hotels. Wer Glück hat, findet jenseits der Elbe auf dem "Balkon Dresdens", im Luftkurort Weißer Hirsch, ein Zimmer. Eine Bergbahn fährt dort hinauf. Obwohl alle Orte dieser Reise zu längerem Verweilen einladen, sollte man doch vor allem in Naumburg, Weimar und Eisenach weitere Aufenthalte einplanen.


DEUTSCHLAND - Neue Bundesländer - Potsdam Schloss Sanssouci Zweiteiliges Bild Hier 1. Teil
DEUTSCHLAND - Neue Bundesländer - Potsdam Schloss Sanssouci Zweiteiliges Bild Hier 2. Teil

DEUTSCHLAND - Neue Bundesländer - Als einen Tempel für den Weingott Bacchus ließ Friedrich II. in Potsdam Schloss Sanssouci, über Gewächshäusern, Nymphen und Satyrn thronend, errichten. Doch das Schloss war keine Stätte rauschender Feste, sondern stiller Studien, profunder Diskussionen und erlesener Konzerte.

Zehn Städte-Juwele von Potsdam bis Eisenach - DEUTSCHLAND - Neue Bundesländer

Die ostdeutschen Länder haben Landschaften, die das Herz höher schlagen lassen: von der Ostseeküste über die märkischen Seen bis zu den bunten Mischwäldern des Thüringer Waldes und zur vielgestaltigen Felsenwelt der Sächsischen Schweiz, vom östlichen Teil des Harzes bis zu den Höhen des Vogtlandes und des Erzgebirges. Doch was kultur bewusste Europäer ganz besonders anlockt, sind einzelne Städte, in denen ein großes Erbe bewahrt wird, darunter merkwürdigerweise eine ganze Reihe, die sich stets mit den Namen einzelner bedeutender Männer verbinden: das Potsdam Friedrich II., das Leipzig Johann Sebastian Bachs, das Jena Schillers, das Weimar Goethes, das Eisenach Martin Luthers. Und da ein großer Teil dieser Städte wie Perlen auf einer Schnur aufgereiht ist, sei diese Traumreise vor allem eine Reise der Städtejuwele.

Potsdam - Dresden - Meißen - Leipzig - Naumburg - DEUTSCHLAND - Neue Bundesländer

Es gehört zu den Besonderheiten dieser Reise, dass man kurz nacheinander die zwei schönsten Rokoko-Bauten der Welt zu sehen bekommt: Schloss Sanssouci (1747) in Potsdam und den Zwinger (1722) in Dresden. Das fordert zu mancherlei Vergleichen heraus. Sanssouci, von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff nach den Anweisungen Friedrichs II., des Philosophen auf dem Thron, gebaut, ist ein breit gelagerter, in sich gekehrter Bau, dessen schönster Saal ein reiner Rundraum ist: die Bibliothek -"tiefbraun wie mit Rembrandtschen Helldunkelfarben getäfelt, kein Festsaal, sondern ein abgeschiedenes, den Menschen ganz in sich konzentrierendes Rundgemach" (Richard Hamann).

Der Zwinger von Matthäus Daniel Pöppelmann ist das extrovertierte Gegenstück, ein Rahmen für höfische Festlichkeiten. Hier sind die Rundbauten der Pavillons allseitig offen, in Portale gegliedert, mit Blumengehängen, Säulenstatuen und emporschwingenden Giebeln dekoriert. Zwei Bauten, bei denen manche Elemente der gotischen Baukunst, in weltliche Formen verwandelt, wiederkehren.
Wer die zierlichen Vasen und Kannen, Lieblingsstücke des Königs, in Potsdam sieht, fragt sich, wie ein solcher Künstler, Komponist und Philosoph Kriege führen und Schlachten gewinnen konnte. Rühmte er sich doch, er habe "mehr gelesen als alle Benediktiner zusammen". Uns jedenfalls sind die Bürgerhäuser und Palais, das Rathaus, der Marstall und selbst das pompöse Neue Palais (1769) lieber als der Gedanke an seine Schlachten, für die ihm auch durch seine Literaturkenntnis die siegreichen Tricks eingefallen sind.
Auch seine Nachfolger haben beachtliche Bauten hinterlassen, die alle von klassischer oder italienischer Baukunst inspiriert sind.
Nach Dresden gelangt man in wenigen Stunden, wenn man von der Autobahn in Richtung Frankfurt/Oder auf die Autobahn Berlin - Dresden überwechselt.

Heute gibt es das historische Dresden wieder - als eine ans Herz rührende Wiederaufbauleistung seiner heutigen Bürger. Heute kann man wieder im Zwinger (1722), diesem von Pavillonbauten eingefassten "Festsaal unter freiem Himmel", Serenadenkonzerte hören. In der Kreuzkirche (jetzige Gestalt von 1792) singt wieder der bekannte Kreuzchor. Die in Dresden entstandenen Opern von Heinrich Schütz und Carl Maria von Weber und die Dresdner Musikdramen Richard Wagners werden heute wieder in der berühmten Semperoper aufgeführt.


DEUTSCHLAND - Neue Bundesländer - "Sächsische Akropolis" Meißner Burgberg über der Elbe
DEUTSCHLAND - Neue Bundesländer  Naumburger Meister - Abendmahls

DEUTSCHLAND - Neue Bundesländer - "Sächsische Akropolis" wird der Meißner Burgberg über der Elbe genannt. Das ehemalige Bischofsschloss mit Rundturm, Dom und Albrechtsburg bilden eine Einheit.

DEUTSCHLAND - Neue Bundesländer: Als Naumburger Meister ging der Schöpfer der Stifter der Passion und dieses »naturalistischen« Abendmahls in die Geschichte ein.

DEUTSCHLAND - Neue Bundesländer: Das Kronentor des Dresdner Zwingers
DEUTSCHLAND - Neue Bundesländer: Die Wartburg bei Eisenach

DEUTSCHLAND - Neue Bundesländer: Das Kronentor des Dresdner Zwingers ist einer der zweigeschossigen Pavillons, die mit Bogengalerien abwechseln.

DEUTSCHLAND - Neue Bundesländer: Die Wartburg bei Eisenach, um 1200 Schauplatz des "Sängerkriegs" der Minnesänger, war von 1211 bis 1227 Wohnsitz der hl. Elisabeth und 1521/ 22 Luthers Zufluchtstätte.

Daneben würdigt man auch die drei Dresdner Dramen von Kleist und die Werke Tiecks, der hier Dramaturg war. In der Gemäldegalerie Gottfried Sempers bewundert man wie vor dem Krieg Raffaels Sixtinische Madonna. Bilder von Canaletto und Caspar David Friedrich halten die Aura und Atmosphäre des alten Dresden wohl am besten fest. Der schon 1946 begonnene Wiederaufbau der Katholischen Hofkirche (1755) wurde bereits 1954 abgeschlossen. Die Brühlsche Terrasse an der Elbe galt einst als der "Balkon Europas" - dieser Platz hat es verdient, dass sich hier wieder Europäer aus Ost und West verabreden. Von der Brühlschen Terrasse aus fahren die Schiffe der Weißen Flotte Elbe aufwärts nach Pirna und Elbe abwärts nach Meißen. Wer nach Leipzig weiterreist, sollte sich wenigstens diese Schiffsfahrt gönnen. Zuerst mag man von dem Kontrast der Industriebetriebe zu den kurz vorher passierten historischen Bauten schockiert sein. Doch die Fahrt zwischen Obstgärten und Weinbergen nach Radebeul stimmt fröhlicher, und wer von Radebeul mit der Schmalspurbahn zum Renaissanceschloss Moritzburg fährt, wird vielfach belohnt. Und weiter säumen Laubwaldhänge den Fluss, es folgen die beiden Schlösser Scharfenberg und Siebeneichen und schließlich die Granitfelsen des Spaargebirges.


DEUTSCHLAND - Neue Bundesländer - Meißen

Meißen, die berühmteste Porzellan-Stadt der Welt, ist ein Vierteljahrtausend älter als Dresden. Schon die Silhouette der Altstadt mit der massiven Albrechtsburg (begonnen 1471), aus der die Domtürme himmelan streben, ist unvergesslich. Im Gespräch mit den Meistern der Porzellanmanufaktur erfährt man, dass die Gestaltung einer einzigen handgemalten Tasse einen ganzen Tag kostet und dass es genügend Auftraggeber - vor allem aus dem Ausland - gibt, die für ein vollständiges Porzellan-Service 50 000 Euro zahlen. Für Meißen muss man sich Zeit lassen, für seine Gassen, seine Fachwerkerker, seine Innenhöfe, Gewölbe, Plastiken und Treppen. Meißen ist ein Kunstwerk.

DEUTSCHLAND - Neue Bundesländer - Leipzig

Die Messestadt Leipzig erweist sich selbst im Namen ihres bekanntesten Konzerthauses als Industrie- und Handelsstadt: Gewandhaus. Dirigenten des Gewandhausorchesters waren neben anderen Mendelssohn und Furtwängler. Das Johann Sebastian Bach von 1723 bis 1750 Kantor an der Thomaskirche (15. Jahrhundert) war und hier seine großen Passionen schrieb, muss wohl kaum erwähnt werden. Spätestens beim angeregten Gespräch in Auerbachs Keller an der Mädlerpassage ruft man sich wohl ins Gedächtnis, wer hier die Schule oder die Universität besucht hat: Leibniz, Klopstock, Lessing, Goethe, Jean Paul, Richard Wagner... Leipzig hat einen Ringboulevard wie Wien, und sein Altes Rathaus (seit 1556) gehört zu den schönsten Renaissance-Bauten Deutschlands.


DEUTSCHLAND - Neue Bundesländer - Leipzig

Auch in Naumburg gedenkt man vor allem eines großen Meisters, obwohl man seinen Namen nicht kennt und ihn schlicht den Naumburger Meister nennt. Es ist jener große Bildhauer, der es um 1250 als erster wagte, sechs Stifterfiguren, darunter Ekkehart und Uta, in den dem Klerus vorbehaltenen Westchor des Domes zu stellen. Genauso revolutionär war es, dass diese Stifter unverkennbare persönliche Züge trugen und keine allgemeinen Typen verkörperten. Jener Naumburger Meister hat auch die Kapitelle und Schlusssteine im Dom St. Peter und Paul, der 1275 vollendet wurde, gestaltet, darüber hinaus ganze Schauspielszenen am Giebel des Westlettners, zum Beispiel die von der Magd, die Petrus als einen der Jünger Christi wieder erkennt.
Der Dom, in dem all dies sich ereignet, ist selbst ein geschlossenes Kunstwerk von hohem Rang, das auf der Schwelle zwischen später Romanik und früher Gotik steht. Außer ihm sollte man auch die Wenzelskirche mit Bildwerken von Lucas Cranach dem Älteren (1515) und die Marienkirche (1728) mit ihren schönen Deckenmalereien besuchen. In Naumburg erinnern manche Häuser und Befestigungsanlagen noch an die große Zeit vor 1600, als die Stadt an der Kreuzung zweier Handelswege noch bedeutender als Leipzig war.

DEUTSCHLAND - Neue Bundesländer - Jena

Wer von Jena westwärts bis nach Eisenach fährt, sieht eine ganze Reihe von Städten, die ebenso schön gelegen wie kulturgeschichtlich bedeutend sind. Die Lage von Jena wird mit der von Florenz verglichen. An Jenas Universität lehrten Männer wie Schiller, Fichte, Schelling, Schlegel und Hegel. In Jena promovierte Karl Marx mit einer Arbeit über Naturphilosophie. Das heutige Jena rühmt sich, allein in den Carl-Zeiss-Werken 2000 Wissenschaftler zu beschäftigen.

DEUTSCHLAND - Neue Bundesländer - Weimar

Weimar ist wie Meißen schon mehr als ein Jahrtausend alt. Bachs weltliche Konzerte sind vorwiegend hier entstanden; er war hier von 1708 bis 1717 Hofkapellmeister. Wie Weimar durch Goethe und Schiller zum geistigen Zentrum Deutschlands wurde, ließe sich durch eine ganze Reihe bedeutender Namen - von Herder und Jean Paul bis Franz Liszt und Arnold Böcklin - belegen. In der Bewahrung und Erforschung der klassischen deutschen Literatur leisten die nationalen Forschungs- und Gedenkstätten Hervorragendes. In Weimar sollte man nicht nur die Schlösser, das Goethe- und das Schillerhaus besuchen, auch der Weimarer Park ist Goethes Schöpfung. Erstaunlich, wie sich hier die Stimmung seiner Naturgedichte wiederholt.

DEUTSCHLAND - Neue Bundesländer - Erfurt

Das türmereiche Erfurt hat seinen beiden bedeutendsten Kirchen einen Standort gegeben, wie man ihn sich idealer gar nicht denken kann: Von der Altstadt blickt man zu den gotischen Bauten des Domes (12. bis 14. Jahrhundert) und der Severikirche (1278 - 1400) bewundernd auf, und wer in sie eintreten möchte, muss erst eine Freitreppe von 70 Stufen emporsteigen. Statt sich gegenseitig übertrumpfen zu wollen, vereinigen sich diese beiden Kirchen mit dem Bogenunterbau des Domes und der Freitreppe zu einer einzigartigen Gottesburg. Aber Erfurt ist nicht nur reich an schönen Kirchen, sondern auch reich an Blumen und Pflanzen, vor allem in der Internationalen Gartenbau-Ausstellung auf dem Cyriaksberg.

DEUTSCHLAND - Neue Bundesländer - Gotha

Wer das zwölfhundert Jahre alte Gotha überblicken möchte, muss sich zum Schlossberg begeben. Von dort aus bietet sich ein Einblick in den Alten Markt mit dem Rathaus! 16. Jahrhundert) und seinem schmucken Renaissance-Portal. Schloss Friedenstein selbst gruppiert sich nicht nur äußerlich einladend und beschaulich um seinen Innenhof - es ist auch im Innern reich an Gemälden, Grafiken, antiken Vasen, Wiegendrucken, Handschriften und vielem mehr.

DEUTSCHLAND - Neue Bundesländer - Eisenach
In Eisenach hat man den Thüringer Wald erreicht. Die 400 Meter hoch gelegene Wartburg (12. Jahrhundert) erklimmen viele auf dem Rücken williger Reitesel. Die berühmtesten Minnesänger trafen sich da um 1200 zum "Sängerkrieg", Luther übersetzte dort das Neue Testament und gab den Deutschen damit zugleich eine einheitliche Sprache, und das Wartburgfest der deutschen Studenten im Jahre 1817 galt dem energischen Ruf nach nationaler Einheit. Heute hat sich die Autoindustrie des Symbols Wartburg bemächtigt. Aber auch unten in der Stadt hat sich Bedeutendes ereignet: Da wurde Johann Sebastian Bach 1685 geboren - das Haus des väterlichen Stadtpfeifers Bach ist zu besichtigen und enthält auch eine mannigfaltige Instrumentensammlung.


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