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SCHWEDEN - Die Welt der unermesslichen Seen und Wälder
Anreise: Stockholm ist ein lohnendes Ziel, aber man sollte nicht zu direkt darauf losgehen. Fliegen Sie nicht gleich dorthin, sondern zunächst nach Göteborg. Sie können auch mit dem Schiff von Kiel, Fredrikshavn (Dänemark) oder Newcastle (Großbritannien) dorthin gelangen.
Stützpunkte: Göteborg ist eine Halbmillionenstadt mit Kleinstadtcharakter, »die größte Kleinstadt der Welt«, mit vielen Grünanlagen und Liegestühlen. Hier beginnt auch die Reise nach Stockholm über den Göta-Kanal, die von den Schweden selbst als ihre »reizvollste Reiseroute« bezeichnet wird.
Stockholm hat mit Amsterdam die Kanäle gemeinsam und die Nähe der See. Vielen Großstädten hat diese Metropole voraus, daß sie nicht nur lohnendes Ziel von Dienstreisen sondern auch Traumziel von Traumreisen ist.
Viele stille Plätze wie diesen findet man an den weiten südschwedischen Seen. Diese dienen aber auch als Verkehrsweg: Von Göteborg über Flüsse, Seen und Kanäle erreicht man zu Schiff innerhalb von drei Tagen die Landeshauptstadt Stockholm.
Von der Ostsee bis zum baumlosen Lappland im Norden hat Schweden nur etwa 8 Millionen Einwohner.
Daher findet man in diesem Lande riesige Flächen unberührter Natur: dichte Wälder, weite Seen, endlose Gebirgslandschaften. Und im Süden von Schweden, wo das Land dichter besiedelt ist, gibt es Kleinstädte und Schärendörfer, in denen sich auch der Fremde heimisch fühlt. Herrenhöfe, mächtige Burgen und Schlösser erzählen von einer stolzen Vergangenheit. Rechnet man alle Buchten mit, dann hat Schweden 7500 Kilometer Küste - nicht nur Felsen und Felsmulden, sondern auch weite Sandstrände. Viele kleine bunte Holzhäuser an Seen, Flüssen und am Meer zeugen von der Liebe der Schweden zu diesen Schönheiten ihres Landes. Mittsommernächte und Mitternachtssonne sind auch für die Schweden selbst immer wieder ein berauschendes Erlebnis.
Über Flüsse, Seen und Kanäle von Göteborg nach Stockholm
Um das Jahr 1850 hatte Schweden eine Reisesensation: Wo auf der Welt konnte man so bequem und so schnell auf dem Wasserwege quer durch ein ganzes Land fahren? Heute sieht man es etwas anders: Wo lohnt es sich so sehr, Auto und Flugzeug zu vergessen und so recht gemütlich und langsam von der Hafenstadt an der Nordsee zur Hauptstadt an der Ostsee zu fahren?
Und so bemüht sich denn auch die Göta-Kanal-Reederei, die Drei-Tage-Fahrt mit möglichst altmodisch eingerichteten Schiffen, nicht mit modernen Sight-Seeing-Booten, durchzuführen. Die Fahrt über den Göta-Kanal ist gerade deshalb so reizvoll und reich an Abwechslung, weil sie eben nicht die ganze 596 Kilometer lange Strecke über einen Kanal führt, sondern zwei Drittel der Fahrt über Flüsse und Seen.
Göteborgs Hafen ist der größte Skandinaviens, die Stadt selbst Schwedens größte Industrie- und Handelsstadt. Göteborg ist stolz darauf, eine dreieinhalb Jahrhunderte junge Stadt zu sein und sich immer wieder durch Abbruch alter Häuserzu verjüngen. Es ist stolz auf seine riesigen Kaufhäuser, auf ein großes Kulturzentrum, das vorbildliche Stadion Ullevi, die gewaltige Sporthalle Skandinavium. Das einzige Alte oder Altertümliche, das man dort liebt, sind die Segelschiffe im Hafen mit ihren reichen Schnitzereien an Bug und Heck. In den weiten Parkanlagen, auf den alten Befestigungsschanzen, entlang den Wallgräben finden Spaziergänger Ruhe und Erholung von dem lebhaften Treiben in Stadt und Hafen.
Man sieht sich nicht satt auf dieser "Kanalfahrt": Einmal fährt man über weite, offene Seen, dann wieder über schmale, gewundene Kanäle. Dichte Wälder, fruchtbare Felder, alte Kirchen und Bauernhöfe und traditionsreiche Städte säumen den Weg. Durch 65 Schleusen und ihre Staustufen werden Anhöhen überwunden - von 0 bis 91,5 Meter bei Lanthöjden!
Von Göteborg aus nach Norden, parallel zur Küste, geht es den Götaelv hinauf. Ein Denkmal blutiger Kämpfe zwischen Schweden, Norwegern und Dänen sind die Ruinen der stattlichen Grenzfeste Bohus. Kurz vor dem Vänersee bei Trollättan klettert das Schiff über verschiedene Staustufen allmählich auf das Niveau des Sees. Dort werden gewaltige Wasserfälle zur Stromgewinnung genutzt. Noch etwas höher wird das Schiff bei Vänersborg gehoben, das sich selbst "Klein-Paris" nennt, aber wegen seiner Schuhindustrie und anderer Fabriken eher als schwedisches Pirmasens zu bezeichnen wäre.
Der Vönersee in Schweden ist der drittgrößte Binnensee Europas nach dem Ladogasee und dem Onegasee; seine Fläche ist zehnmal so groß wie die des Bodensees (5546 km2). In seiner Mitte schieben sich zwei Halbinseln wie mächtige Schleusentore vor und teilen den See in den Dalbosee und das Hauptbecken des Vänern. Das Schiff läßt die Bucht Kinneviken mit dem tiefgrünen Tannenwald des Kinnekulle-Berges und dem alten Schlößchen Läckö rechts liegen. Vom See aus wird eine Weile in südlicher Richtung auf dem Götakanal gefahren. Auf dieser Strecke wird auch der schon erwähnte höchste Punkt erreicht. Die Waldseen Viken und Bottensjön, die nun passiert werden, geben einen Vorgeschmack der verträumten Seenlandschaften Nordschwedens.
Ein weites Gewässer ist dagegen wieder der Vättersee, der auf der Liste der europäischen Seen immerhin noch den sechsten Platz einnimmt und dreieinhalbmal die Fläche des Bodensees umfaßt. Dieser See wird von Karlsborg nach Vadstena überquert, womit dann auch schon Östergötaland, der östliche Teil Südschwedens, erreicht ist. Hier legt das Schiff vor den Toren eines der bekanntesten schwedischen Schlösser an, das im sechzehnten Jahrhundert errichtet wurde.
Vorgänger des Schlosses war ein von der heiligen Birgitta im vierzehnten Jahrhundert gegründetes Kloster, das damals als wichtigstes Kulturzentrum galt und regen Kontakt zum Geistesleben im südlichen Europa unterhielt.
Etwas weiter nördlich liegt Motala, eine Stadt mit langen Pappelalleen. Hier fand der Planer und Baumeister des Götakanals, Graf Baltzar von Platen, seine Ruhestätte dicht am Kanal.
Nach der Fahrt durch den Borensee sinkt das Schiff wieder abwärts - durch die 15 Schleusen bei Berg. Die Passagiere können derweil die schöne Kirche des Klosters von Vreta besichtigen.
Durch die Seen Roxen und Asplängen wird der Kurort Söderköping angesteuert. Der Ort gehörte früher neben Stockholm und Kalmar (mit seinem 24mal vergebens belagerten Schloß) zu den wichtigsten Handelsstädten des Landes. Besondere Juwelen der mittelalterlichen Stadt sind die St.-Lars-Kirche (um 1300) und die Trinitatiskirche (14. Jahrhundert).
Vorbei an der Ruine der Wasaburg Stegeborg geht es hinaus in die Ostsee und durch die vielen Schären vor Stockholm. Dann folgt die direkte Zufahrtsstraße der Hauptstadt von See aus: der Södertälje-Kanal, der die Ostsee mit dem Mälarsee verbindet. Mälarsee, ein Paradies der Stockholmer, von denen viele ein Segel- oder Motorboot besitzen. Von der auf dreizehn Inseln gebauten Hauptstadt führt er 120 Kilometer westwärts weit ins Landesinnere, vorbei an 1260 Inseln, auf denen mancher sein schmuckes Sommerhäuschen oder einfach einen Lieblingsplatz zum Sonnen hat. Der Mälarsee: auch er ein Gigant unter den europäischen Seen, doppelt so groß wie der Bodensee und fast von gleicher Ausdehnung wie der Inarisee im Norden Finnlands.
Unmittelbar vor dem Königlichen Schloß zu Stockholm und der Storkyrkan (Große Kirche) legt das Boot an, das durch die Kanäle von Stockholm fährt. Von der Stadtmitte kann man ebenso zu Schiff die Ostsee mit den Sommerhäuschen in Saltsjöbaden erreichen wie den weiten Mälarsee, der doppelt so groß ist wie der Bodensee. An Freizeitwert ist Stockholm unter den Hauptstädten Europas unübertroffen.
Stockholm
Einen ersten Überblick über Stockholm verschafft man sich wie in Amsterdam am besten durch eine Motorbootrundfahrt, vorbei an der Riddarsholmkirche mit den Grabstätten von Königen und großen Männern, am großen Komplex des Königlichen Schlosses, an der Deutschen Kirche, am Slussen, wo sich Straßen und Wasserstraßen kreuzen, am Stadthaus, dunkelrot mit hellgrünen Kupferdächern, an der Vasawerft, wo das vor 350 Jahren gebaute und 1961 gehobene Kriegsschiff "Vasa" in seiner ganzen Pracht zu besichtigen ist.
Durch seine Lage auf Inseln und Halbinseln ist Stockholm mit keiner anderen Hauptstadt der Welt zu vergleichen. Ein Rundblick vom 106 Meter hohen Turm des Stadthauses wird das bestätigen.
Natürlich sollte man es bei der Rundfahrt nicht bewenden lassen, sondern auch als Spaziergänger die Atmosphäre dieser Stadt auf sich wirken lassen: Auf den Bänken am Stortorget, rings umgeben von Holzkübeln mit bunten Blumen, kann man gemächlich den Blick zu den Ziergiebeln der schlanken mittelalterlichen Häuser schweifen lassen. Auch am Strandvägen mit seinen zahllosen Türmen und Giebeln auf roten Backsteinhäusern freut man sich, in einer Stadt zu weilen, deren Vergangenheit nicht durch Bomben und Brände ausradiert wurde.
Doch am eindrucksvollsten wird Vergangenheit lebendig auf Skansen, in dem ältesten und für manche vielseitigsten Freilichtmuseum der Welt. Der Name "Skansen" wird in vielen Ländern, vor allem in Osteuropa, mit dem Begriff des Freilichtmuseums gleichgesetzt - so wie Kopenhagens Tivoli mit dem Begriff des Vergnügungsparks. Die Leiter dieser Anlage alter Volkskultur verstehen es geschickt, sie in weiten Bevölkerungskreisen durch Volksfeste beliebt zu machen: Man feiert hier ebenso das Lucia-Fest und das Mittsommerfest, wie man im Winter durch den Lichterglanz des Weihnachtsmarktes Besucher anlockt.
Das Museum beherbergt bäuerliche Baudenkmale, darunter sieben vollständige Hofanlagen, Bürgerhäuser, einen Herrenhof, religiöse Baudenkmale, technische Bauten, ein Volkshaus und Marktläden - insgesamt über 150 Gebäude. Über Handwerk und Gewerbe alter und neuer Zeit kann sich der Besucher einen umfassenden Überblick verschaffen. Man sieht dem Bäcker, dem Buchdrucker, dem Glasbläser auf die Finger, kann aberauch viele andere Gewerbe studieren, wie Apotheker, Gerber, Goldschmied, Silberschmied, Töpfer, Klempner, Sattler, Schuhmacher, Schmied. Auch dem modernen Fotografen soll man zuschauen können. All das gewinnt heute stark an Interesse, weil mit zunehmender Freizeit immer mehr junge und ältere Leute Freude daran finden, schöne Dinge selbst herzustellen.
Im Innern der Bauernhäuser gibt es mehr zu betrachten als bäuerlichen Formen- und Farbensinn: Man schaut dem Volke ins Herz, und es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, daß man selbst nach einem langen Arbeitstag erschöpft und zufrieden sich in eine dieser kurzen Kojen fallen läßt.
Schwedens Nationalpark
Wer Zeit hat, seine schwedische Traumreise noch auszudehnen, auf den warten unvergeßliche Naturerlebnisse. In Südschweden, an der Ostseeküste, im mittleren und besonders im nördlichen Landesteil hat Schweden sechzehn Naturschutzgebiete.
Der nördlichste Nationalpark heißt Vadvetjäkko und liegt nordwestlich vom Torneträsk an der norwegischen Grenze. Zu Füßen des Berges Vadvetjäkko liegt eine Ebene mit Seen, Weidendickichten und Mooren. Diese rauhe nordische Landschaft hat eine mannigfaltige Pflanzen- und Vogelwelt. Durch das Gebiet ziehen die Lappen mit ihren Rentierherden.
Im nahen Nationalpark Abisko wird dem Wanderer ein wenig technische Hilfe zuteil: Eine Seilbahn führt hinauf zum Berg Nuolja. Wer Nils Holgerssons Berg Akka besuchen möchte, findet ihn in dem weiträumigen Stora Sjöfallet. Hier schäumen wilde Wasserfälle - und Wasserkraftanlagen verfremden das Landschaftsbild.
Ein unberührtes Urwaldgebiet ist Muddus mit großen, zusammenhängenden Wald- und Moorgebieten, die reich an Tierarten sind. Inmitten dieses Urwaldes liegen zwei ausgedehnte Vogelschutzgebiete.
In Mittelschweden, in Dalarna, breitet sich ein Urwald besonderer Art aus, der Hamra. Hier sind noch die Folgen eines Waldbrandes von 1960 zu sehen, bei dem sämtliche Fichten in Flammen aufgingen, während die Kiefern mit ihrer dicken Borke überlebten und sich weiter fortpflanzten.
Auch eine der anmutigen Schäreninseln nordöstlich von Stockholm wurde zum Nationalpark erklärt: Ängsö. Hier soll eine liebliche schwedische Kulturlandschaft in Reinkultur bewahrt werden: üppig blühende Wiesen und schattige Laubbäume.
Sogar im südlichen Schweden blieb ein Stück Urwald erhalten: Norra Kvill im Regierungsbezirk Kalmar. Im Norden des düsteren Waldsees Idegölen wachsen Kiefern, die schon drei Jahrhunderte überdauert haben. In Kalmarsund wurde in den zwanziger Jahren eine Insel aus rotem Granit zum Nationalpark erklärt: Blä Jungfrun mit kahlen Klippen, Felsplatten, Schluchten und Grotten, unter denen die "Jungfraukammer" die bekannteste ist. An geschützten Stellen wachsen Kiefern, Fichten und Birken. Dichter Eichenwald wuchert an den Südhängen. Moose und Flechten in vielen Arten leben zwischen dem Urgestein.
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